Der A-Trane fuhr ohne Hektik los |

Gerd Dudek und Freunde in der Altstadtschmiede

Text & Fotos: Stefan Pieper

Recklinghausen, 10.10.2017 | Die Altstadtschmiede mit ihren wöchentlichen Sessions steht für eine hohe Beständigkeit im Jazz – wie sie auch und gerade jenseits der großen Bühnen lebt, wenn man sie nur mit genug Herzblut pflegt! Einmal in der Woche treffen sich in Recklinghausens Szenelokal jung und alt, um zu jammen. Und aufmerksam zuzuhören.

Erwartungsgemäß voll wurde es, als mal wieder ein legendärer Spieler auf der Bühne stand: Der Saxofonist Gerd Dudek, improvisierte und solierte sich abendfüllend in sein 80. Lebensjahr hinein. An seiner Seite agierte eine große Band, bei der die Stammbesetzung der Altstadtschmiede noch um einige Gäste erweitert worden war.

Am untersten Ende der Altersskala der groß besetzten Combo auf der kleinen Bühne rangiert Jerry Lu, der „jugend jazzt“ und „jugend musiziert“ erfolgreich meisterte und jetzt in Köln Jazzpiano studiert. Durch nichts lässt sich dessen ruhig pulsierendes Spiel aus der Ruhe bringen. Das beweist er bei dieser improvisierten Spontan-Combo wie sonst auch beim Jugendjazzorchester NRW. Die Fäden zieht Ingo Marmulla, der immer auf neue die Leute zusammenbringt. Er koordiniert auch während des Spiels den Ablauf der Changes, Soli und Chorusse - auf dass alles wie in einer gut geölten Maschine vorwärts geht! Oft verlässt er an diesem Abend die Bühne, um sämtliche Musiker noch zusätzlich anzufeuern.

Mit Leidenschaft, aber ohne Exzentrik und dafür umso mehr stilsicherer Erfahrung wird den Großtaten im Jazz Respekt gezollt: Voller Bluesfeeling und sattem Swing sind die Hommagen etwa an Count Basie, Duke Ellington oder John Coltrane. Ewige Statements, die hier im Glanz der Gegenwart erstrahlen! Und man darf den großen Gerd Dudek auf seinem Tenor als gefühlvollen Geschichtenerzähler erleben, der sich in allen Registern und Tonlagen bestens zuhause fühlt. Oft wird es richtig orchestral wie in einer kleinen Bigband. Stefan Werni lässt den Bass wie einen gleichmäßig getakteten Motor pulsieren. Eckhard Koltermann auf der Bassklarinette schöpft aus großen Tonumfängen. Bernd Westerhoff lässt seine flammenden Trompetensoli erstrahlen. Schließlich nimmt der berühmte „A-Trane“ mächtig, aber ohne jede Hektik Fahrt auf. Billy Strayhorns und durch Duke Ellington bekannt gewordenes Stück wurde geschrieben, als Gerd Dudek gerade ein Jahr alt war. Aber es klingt in der Behandlung durch diese Musiker so frisch, als würde es aus dem heute kommen. Denn in der Altstadtschmiede wird an diesem Abend mit Leidenschaft und ohne Mätzchen einfach nur ehrliche Musik gemacht. Es fiel auf, dass auch etliche kulturschaffende Menschen aus der Recklinghäuser Szene diese kleine Jazz-Sternstunde mit ihrem charismatischen Gast-Solisten verfolgten.

Besetzung

Gerd Dudek: Tenorsax

Ingo Marmulla: Gitarre/Leitung

Jerry Lu: Piano

Stefan Werni: Bass

Bernd Gremm: Drums

Achim Krämer: Drums

Kerstin Fabry: Altsax

Wolfgang Beckschäfer: Bariton

Dennis Tiborc: Tenor

Eckard Koltermann: Bassklarinette

Philipp Clodt: Altsax