Jazzpool NRW - Canzone |

Italienisch mit Fortgeschrittenen

Text & Fotos: Uwe Bräutigam

Düsseldorf, 14.11.2017 | Der Jazzpool NRW stellte sein neues Projekt Canzone in der Düsseldorfer Jazz Schmiede vor. Das Partnerland ist dieses Jahr Italien.

Der Jazzpool NRW ist ein Projekt, das Jazzmusiker*nnen aus dem Land zusammenbringt und landes- und bundesweit, sowie auf internationalen Bühnen die Qualitäten des Jazz in NRW darstellen möchte. Jazzpool NRW ist ein Ensemble mit wechselnden Besetzungen, die sich um die beiden Gründer Peter Weiss und Wolfgang Schmidtke gruppieren. Die einzelnen Projekte sind stets themenbezogen und stellen oft eine Beziehung zu unseren europäischen Nachbarn Polen, England, Frankreich oder aktuell Italien her. Stilistisch hat der Jazzpool eine große Bandbreite von klassischem Modern Jazz bis zur Avantgarde. Er startete 2006 mit seinem ersten Programm Mingus Moves.

In der aktuellen Jazzpool Besetzung sind zwei renommierte italienische Jazzmusiker: Glauco Venier am Piano und Giovanni Falzone an der Trompete.

Glauco Venier arbeitet mit dem Klarinettisten Klaus Gesing (diesjähriger Artist in Residence des Multiphonics Festival) zusammen und beide sind in der Band von Norma Winston. Venier hat mit Kenny Wheeler, Enrico Rava, Paolo Fresu und vielen anderen bekannten Musikern zusammen gespielt.

Der Trompeter Giovanni Falzone ist in Lippstadt geboren, war von 1996-2004 Mitglied der Mailänder Sinfonieorchesters und unter namhaften Dirigenten wie Claudio Abbado, Luciano Berio u.a. gespielt. Seit 2004 widmete er sich ganz dem Jazz. Er hat auf allen großen Festivals weltweit gespielt und wird als Komponist geschätzt.

Die anderen Musiker*innen des Jazzpool 2017 sind Matthias Nadolny (Tenorsaxophon), Kristina Brodersen (Altsaxophon), Wolfgang Schmidtke (Bassklarinette), Hendrika Entzian (Bass) und Peter Weiss (Schlagzeug).

Das erste Stück stammt von Giovanni Falzone und gibt ihm Gelegenheit einige emphatische Trompetensoli zu spielen. Danach folgt eine Komposition von Christina Brodersen, das Titelstück der CD Traffic (2016) des Brodersen Weindorf Quartetts. Ein vielschichtiges Stück voller Bewegung und Lebendigkeit, das trotzdem leicht bleibt.

Das nächste Stück, stammt von Duke Ellington und kommt dem Begriff Canzone am nächsten. Es wird mit einem lyrischen Intro am Piano eingeleitet und Giovanni Falzone spielt einige wunderbare Soli mit der gestopften Trompete. Es folgt der Uptempo Swing Kayak (1992) von Kenny Wheeler. Matthias Nadolny betonte in seiner Moderation, dass Wheeler für alle Musiker*innen der Band eine wichtige Bezugsgröße ist und dass dieses Stück ihn persönlich musikalisch tief beeinflusst habe.

Nach der Pause geht es mit dem Stück Silent Rider von den Jazzpool Initiatoren Schmidtke und Weiss weiter. Hier spielt Hendrika Enzian ein schönes Solo auf ihrem Bass. Dann folgt ein zweites Stück von Kristina Brodersen: Monstertanz. Zum Abschluss gibt es noch zwei italienische Jazzstücke, Bella von Enrico Rava von 1990 und vom Troll`s Party vom Pianisten Glauco Venier. Während Glauco Venier als Kavalier das Stück Bella allen Frauen im Publikum widmet, bringt er bei Troll`s Party mit seinen humorvollen Einlagen italienische Leichtigkeit ins Spiel.

Die Musik hat trotz aller Unterschiedlichkeit der Stücke, von Ellington bis zu Kristina Brodersen, einen verspielten romantischen Unterton als gemeinsame Klammer. Mal äußerte er sich in gefühlsgeladenen Trompeten Soli, die vom mehrstimmigen Bläsersatz flankiert werden, mal äußert er sich in lyrischem Pianospiel oder in einem Basssolo.

Der Jazzpool NRW 2017 ist eine Band mit großartigem Bläsersatz und einer herausragenden Rhythmusgruppe.

Das Publikum spendet den Musiker*innen kräftigen Applaus bei den verschiedenen Soli und besonders natürlich zum Abschluss des Konzerts. Die Jazz Schmiede ist, trotz des gleichzeitigen Fußball Länderspiels, gut gefüllt.

jazzpool.nrw