Mein erstes Jazzkonzert |

Jakob Bro in der Zeche Carl

Text: Celina Von der Linden | Fotos: Bernd Zimmermann

Essen, 26.04.2017 | Obwohl sehr an Musik interessiert, bin ich mit Jazz noch nie ernsthaft in Berührung gekommen. Das Konzert des Jakob Bro Trio in der Zeche Carl war also der allererste Kontakt mit dieser Musikrichtung vor der ich immer großen Respekt hatte, weil ich vermutete, dass sie besonders viel Aufmerksamkeit fordert.

Für meine bisherigen Konzerterfahrungen empfand ich den Raum als relativ klein. Das alte Zechengebäude hat so hohe Decken, dass er fast würfelförmig wirkte. Ca. 50 Konzertbesucher nahmen auf Stühlen Platz. Auch das eine neue Erfahrung für mich. Auf der Bühne: drei Jazzmusiker. Der Raum komplett dunkel, die Bühne spärlich beleuchtet. Nur der Hintergrund wird abwechselnd angenehm rötlich und bläulich angestrahlt.

Jakob Bro. Dunkel graue Locken, Brille, Bart, schwarze schlichte Kleidung und auf Socken. So kann er besser die Schalter seiner Effektgeräte bedienen. Sein Blick ist die meiste Zeit konzentriert auf seine linke Hand gerichtet, dessen Finger schnell auf den einzelnen Saiten und Bünden tanzen. Durch das Zusammenspiel mit dem Bass und den live zusammengebauten Loops entstehen außergewöhnliche Grooves. Teilweise sogar psychedelisch.

In der Mitte der Bühne steht Thomas Morgan hinter seinem Kontrabass. Weißes, kurzärmliges Hemd, große Brille und glatte schwarze Haare. Seine Augen sind meist geschlossen, während er mit dem linken Arm den Hals seines Instruments umschlingt. Sein Ohr ist ganz nah an seinem Bass. Die Saiten zupft er mal leicht, mal stark. Es scheint, als würde er dem Kontrabass zuhören - mit ihm reden. Ab und zu hört man das Klacken der Saiten auf dem Griffbrett.

Am Schlagzeug sitzt ein glatzköpfiger Mann. Seine Haltung ist nach Vorne gebeugt. Joey Baron ist mit allerlei Schlagwerkzeugen ausgestattet, trommelt aber auch viel mit den bloßen Händen. Durch diese unterschiedlichen Techniken entstehen unglaublich abwechslungsreiche Klänge.

Auf der Bühne stehen drei Ausnahmekönner. Abwechselnd stehen sie mit ihren Instrumenten im Vordergrund. Es ist, als würden sie miteinander diskutieren, ihr Spiel aushandeln. Manchmal scheinen sie unterschiedlicher Meinung zu sein. Dann spielt sich einer in den Vordergurnd bis sich die anderen auf ihn einlassen und wieder alles im Einklang ist. Dennoch ist da durchgehend ein roter Faden. Motivation und Einstellung zur Musik stimmen überein. Sie sind offen und spontan voneinander zu lernen. So wirkt dieses Jazzkonzert auf mich.

Es scheint als hätten diese drei individuell starken Instrumente durch den Jazz einen Weg gefunden gleichberechtigt miteinander zu kommunizieren.

Als Zuhörer sitzt man nicht nur da und konsumiert. Für das ungeübte Ohr ist es zunächst gewöhnungsbedürftig alle Instrumente gleichzeitig wahrzunehmen. Und so passiert es mir ganz von allein, dass ich anfange mich auf nur eins zu konzentrieren. Und während ich einen Musiker intensiv beobachte, bemerke ich, dass ein anderer sich in meinem Ohr in den Vordergrund drängt. Das geht so lange, bis alle Instrumente wieder meine Aufmerksamkeit haben. Die Zuhörer wippen in unterschiedlichen Takten, als würde jeder für sich eine andere Musik hören. Zum Ende jeden Stückes ist es dann merkwürdig still. So, als müsste das Publikum erst wieder zu sich kommen.

Auffallend auch die Reaktion der Musiker nach jedem Stück, die bestimmt vier Mal so lang sind wie übliche Songs. Anspannung fällt von den Gesichtern ab und sie lächeln sich gegenseitig an.

Die letzte Zugabe (Love Me Tender) erfüllt dann zunächst scheinbar ein typisches Klischee: „Jazz ist Fahrstuhlmusik“. Jedoch bald verstummten Bass und Kontrabass und öffneten dem Schlagzeug den Raum. Ich habe noch nie ein so mitreißendes Schlagzeugspiel gehört.

Das Fazit meines ersten Jazzkonzerts:Jazz ist spannend und entspannend zugleich.