Soundtrip NRW # 33 |

Henrik Munkeby Norstebo – Posaune

Text & Fotos: Uwe Bräutigam

Düsseldorf, 04.03.2017 | Der aus Trondheim stammende Posaunist Henrik Munkeby Norstebo hat sich in der Improvisations- und Free Jazz Szene in Norwegen und Berlin einen Namen gemacht. Er spielt in verschiedenen Formationen, aber er spielt vorallem auch Solo. Mit seiner Solo Posaune hat er auch eine CD eingespielt. Henrik Munkeby Norstebo ist Gastmusiker des Soundtrip # 33. Zum 33. Mal gibt es improvisierte Musik mit Gastmusikern, die in verschiedenen Städten mit jeweils anderen MusikerInnen aus NRW zusammen spielen. NRW Jazz hat bereits über verschiedene Soundtrip Konzerte berichtet. (Siehe Bericht von Nov. 2016: http://nrwjazz.net/jazzreports/2016/Draksler-Cudars-Duo/ ).

Das zweite Konzert in der Reihe des Soundtrips # 33 findet in der Berger Kirche mitten in der Düsseldorfer Altstadt statt. Wo Tage zuvor noch der Karneval tobte haben sich nun drei Improvisationsmusiker zusammengefunden, um aus der Situation heraus mit einander zu spielen.

Das erste Set spielt wie üblich der Gast oder die Gäste. Henrik Munkeby Norstebo gibt eine Solo Performance auf seiner Tenorposaune. Sein Spiel ist trotz aller Improvisation klar aufgebaut, mit einigen kurzen kräftigen Tönen beginnt er sein Konzert. Von diesen Tönen ausgehend erforscht er die Möglichkeiten seines Instrumentes. Henrik Munkeby Norstebo ist besonders an den mikrotonalen Aspekten der Klänge interessiert. Er spielt lange brummende Vibrato, Klack-und Schnalzgeräusche, ebenso wie hohe Pfeiftöne. Er lotet das ganze Spektrum an Klangmöglichkeiten seines Instrumentes aus. Immer wieder setzt er verschiedene Dämpfer als Klangmodulatoren ein. Nicola Hein, der als NRW Musiker durch den Abend führte, fragte den norwegischen Gast, wie er die Struktur seiner Improvisationen aufbaue. Munkeby Norstebo antwortete, dass er nicht darüber nachdenke, sondern ein Bewusstseinsstrom (stream of conciousness) fließe, dem er sich überlasse. Das musikalische Material entfaltet sich aus sich selbst heraus. Es gibt eine Struktur, einen Rahmen, in dem sich alles entfalten kann.

Nach seinem Posaunensolo spielt der norwegische Gastmusiker dann mit Philippe Micol (Sopransaxophon und Bassklarinette), der aus der Schweiz stammt und schon viele Jahre in Duisburg lebt und dem Gitarristen Nicola Hein.

Micol, ein erfahrrner Improvisationsmusiker, hat bereits bei vielen Soundtrips unterschiedliche MusikerInnen begleitet. Nicola Hein, fester Bestandteil der Kölner Improvisationszene und IMPAKT Mitbegründer, hat ebenfalls in den letzten Jahren mehrmals auf den Soundtrips gspielt.

Nicola Hein hat sowohl mit Micol als auch mit Munkeby Norstebo bereits zusammengespielt, aber alle drei Musiker haben noch nie zusammengespielt.

Als versierte Improvisateure finden die Musiker schnell zueinander und entwickeln eine gemeinsame Musik. Jeder steuert seine Ideen bei, hört auf die Anderen, treibt voran oder zieht sich zurück und gibt den Anderen Raum. So entsteht z.B. ein Duett aus Sopransaxophon und Gitarre, das sich langsam steigert und dann in einen stillen Moment übergeht. Philippe Micol saugt die Luft in sein Sopransaxophon ein, feine leise Geräusche. Dann setzt die Posaune mit einem Vibrato ein, erst Pianissimo und dann laut knatternd. Philippe Micol wechselt zur Bassklarinette und erzeugt schrille Töne. Nicola Hein setzt seine Gitarre perkussiv ein und schlägt auf die Saiten. Dann bearbeitet er die Saiten mit einer Pfeile und erzeugt mahlende bis schrille Klänge. An anderen Stellen setzt Nicola Hein seinen kleinen selbstgebastelten Rotor ein, der ganz spezielle Klänge an den Saiten erzeugt, manchmal an einen Orgelton erinnernd.

Dann gibt es Momente, wo die Klarinette kurze Melodieschnipsel spielt und die Gitarre mit Plektron gespielt wird, begleitet von einem langen Posaunenvibrato. Die Musik wird intensiver und mündet in ein Crescendo.

Henrik Munkeby Norstebo, Philippe Micol und Nicola Hein entwickeln immer wieder neue Klangvariationen miteinander und nehmen das Publikum mit auf eine spannende unvorhersehbare Reise. Improvisationen, die in der jeweiligen Situation entstehen. Es macht Freude als Zuhörer daran teilzuhaben. Auch im siebten Jahr ist der Soundtrip NRW ein innovatives Projekt und es lohnt sich die weiteren Konzerte mit jeweils unterschiedlichen NRW Musikern zu besuchen.

Weitere Informationen zu den kommenden Konzerten in Bochum, Münster, Bonn, Wuppertal und Essen:

http://www.soundtrips-nrw.de/start