IMPAKT KONTRAST # 1 |

Evan Parker – Rotozaza

Text & Fotos: Uwe Bräutigam

Köln, 02.03.2017 | “Buschi Niebergall told me thirty years ago `Geschwindigkeit ist keine Hexerei` but I get lost in it”, so kommentiert Evan Parker seine schnellen Improvisationen. Evan Parker, spielt auf Einladung des Kölner IMPAKT Kollektivs Solo auf seinem Sopransaxophon im Kölner Stadtgarten. Der Auftritt ist Teil der Reihe KONTRAST, die vom IMPAKT Kollektiv kuratiert wird.

Evan Parker entwickelte sich über den Freejazz, mit Einflüssen der Neuen Musik, zu einem der wichtigsten europäischen Improvisationsmusiker. Im Stadtgarten improvisiert er mittels Zirkularatmung schier endlos an einem Stück und wird dabei schneller und schneller. In seiner dritten Improvisation kommen auch langsamere Phrasen und tiefere Lagen ins Spiel. „Ich habe schon tausende Male gespielt und vieles vergessen, so weiß ich nicht mehr wann ich mich selbst wiederhole und wann ich neu improvisiere. Ich spiele eine Mischung aus neuen Improvisationen und Wiederholungen schon gespielter Phrasen.“

Das Publikum im gut gefüllten Stadtgarten ist von diesem mittlerweile fast 73 jährigen `Sax Whizard` begeistert und lässt den Meister nicht ohne Zugabe von der Bühne. Nach einer kurzen Improvisation verabschiedet er sich mit den Worten: „Ich möchte vom Hauptthema aus etwas entwickeln, aber dann verschwindet das Thema, so jongliere ich hin und her.“ Aber er jongliert nicht nur, sondern hat immer noch etwas mit seinem Horn zu sagen.

Bei einer Improvisation sagte Parker, dass er sich mit Rudi Mahall im Haus so etwas traue zu spielen. Ein Hinweis auf den freien Geist des Klarinettisten, der in der Gruppe Rotozaza nach Parker auftritt.

Rotozaza das sind neben Rudi Mahall an Bassklarinette und Klarinette, Nicola Hein an der Gitarre, Adam Pultz Melbye am Bass und Christian Lillinger am Schlagzeug. Für die Band ist es das letzte in einer Reihe von acht Konzerten.

Im Juni 2016 sind sie zum ersten Mal in Köln (im Loft) aufgetreten. Siehe Konzertbericht: http://nrwjazz.net/jazzreports/2016/rotozaraloft/

Seit dem sind die Musiker mit Rotozaza viel getourt. Der Abend in Köln zeigt die Gruppe in guter Form. Die Musiker beginnen sofort mit wilden schnellen Improvisationen. Ohne nachzulassen wird auf diesem Energieniveau durchgespielt. Es gibt nur wenige Momente mit ruhigeren Passagen. Die Musik von Rotozaza erscheint im Vergleich zu dem ebenfalls hervorragenden Konzert im letzten Jahr noch dichter und kompakter. Rudi Mahall wechselt nicht nur ab und an von der Bassklarinette zur Klarinette, sondern ändert auch seine Position und stellt sich hinter Gitarre und Schlagzeug oder spielt nach hinten in den Bühnenraum und erzielt damit einen besonderen Sound. Christian Lillinger setzt wie gewohnt Schalen und Becken ein, aber insgesamt treibt er vor allem den Rhythmus voran. Ebenso Nicola Hein, der zwar die Gitarre mit Schrauben, Stahlschwamm oder einem kleinem Rotor bearbeitet, aber auch viel mit dem Plektrum spielt. Die erweiterten Techniken werden eingesetzt, aber nicht überstrapaziert, so sind die Instrumente enger ineinander verwoben. Rotozaza ist und bleibt dabei eine wilde, experimentierfreudige Band, die laut und heftig ist. Gnadenlos vom Anfang des Konzerts bis zum Ende bleiben sie in den Vollen. Improvisation mit Free Jazz Energie und Punk Attitüde. Die Gehörgänge werden wieder frei geblasen. Gepflegte Musik für den Highway to Hell.

Siehe Rezenzenzion der Rotozaza CD Zero:

http://nrwjazz.net/jazzreports/2016/Rotozazazerocd/

Informationen zum IMPAKT Kollektiv und Konzertdaten:

www.impakt-koeln.de/