ErdQuintett feat. Mara Minjoli |

Gelungener Abend im Kulturrat

Text: Heinz Schlinkert | Fotos: Reiner Skubowius

Bochum, 11.10.2017 | Fast voll besetzt war der Kulturrat, obwohl parallel in der Bochumer Christuskirche das Tingvall-Trio spielte. Aber das Erdquintett ist in Bochum ja gut bekannt, und auch der Name Mara Minjoli hat sich inzwischen herumgesprochen. Es gab eine gute Mischung von Jazz-Standards (‚Night and Day‘, ‚Ain’t misbehavin‘), einigen Stücken von Horace Silver (z. B. ‚Nica’s dream’), einem Bossa Nova (Chega de saudade’), sehr schon ergänzt durch von Mara Minjoli gesungene Songs von Charles Mingus (‚The dry cleaner from Des Moines’).

Mara Minjoli, Preisträgerin des Folkwang-Jazzpreises, bewies ihr Talent mit ihrer eindrucksvollen Stimme, der allerdings ein paar Dezibel mehr nicht geschadet hätten. Sie trifft die Töne auch bei den anspruchsvollen Mingus-Stücken, singt mühelos den komplizierten portugiesischen Text von ‚Chega de Saudade‘ und improvisiert mit Scat-Gesangs-Einlagen à la Ella Fitzgerald.

Michael Erdmenger zeigt nach wie vor klares Spiel am Tenorsax, klare Töne und präzises Timing, er spielte wohl meist vom Blatt, auch die Soli, erst am Ende gab es Gelegenheiten für freieres Spielen.

Martin Theurer am Piano fiel zunächst durch seine teilweise redundante Moderation auf. An seinem Instrument hielt er sich erst zurück, doch bei der Zugabe zeigte er beim Improvisieren, besonders zusammen mit dem Bass, sein wirkliches Können.

Matthias Bergmann spielte das Flügelhorn wie eine Trompete, meist in langen Reihen kurzer Töne, es klang manchmal wie eine Flucht, aber wovor? Das typische Klangbild des Flügelhorns, das doch gerade so gut in die Herbststimmung passt, habe ich vermisst.

Bernd Gremm am Schlagzeug spielte präzise, über die rhythmische Begleitung hinaus lieferte er jeweils eine passende Untermalung passend zu den Stücken und gegen Ende ein phantasievolles Solo.

Caspar van Meel am Kontrabass lieferte exzellente Soli, nicht nur bei den Mingus-Stücken. Sehr kreativ in der Rhythmik und Tonfindung, die auch mal das Ausklingen eines Tons zuließ. Lange Soli, die aber nie Langeweile aufkommen ließen, machten ihn zum heimlichen Star des Abends.

Richtig lebendig wurde die Band dann bei der Zugabe ‚Afro Blue‘. Nun erhielt die Improvisation viel Spielraum, hier passierten Dinge, die endlich mal nicht im Voraus geplant waren. Das hätte man sich auch vorher gewünscht. Insgesamt aber ein gelungener Abend. Im Oktober 2018 kommt die Band in derselben Besetzung wieder in den Kulturrat, ich freue mich schon.