​Singing Drums |

Emil Brandqvist Trio im Dorstener LEO

Text & Fotos: Stefan Pieper

Dorsten, 24.10.2017 | Allein der Blick des Schlagzeugers Emil Brandqvist sagt schon sehr viel: Hellwach saugt er die Ideen seiner Spielpartner ein, beantwortet sie, gibt etwas zurück. Das schwedische Trio begeisterte im ausverkauften Dorstener LEO vor allem durch einen intensiv spürbaren Zustand des Aufeinander-Bezogen-Seins. Wenn auf eine Jazzcombo das Attribut „empfindsam“ trifft, dann auf diese Formation zu, bei der diesem sprühend kreativen Schlagzeuger der Pianist Tuomas Turunen und dem Bassist Max Thornberg zur Seite stehen.

Und auch, wer das Vorurteil mitbrachte, dass Jazz vor allem aus krummen Intervallen und schrägen Tönen besteht, wurde im LEO eines besseren belehrt: Das Emil-Brandqvist-Trio favorisiert das Melodische, Eingängige und zugleich Lyrische. Große, in hellem Dur strahlende Melodien stehen meist im Zentrum – was diese drei Musiker daraus schöpfen, kommt den vielbeschworenen „Liedern ohne Worte“ durchaus gleich. In seiner emotionalen Aussage auf den Punkt kommen, diese Einfachheit ist beim Emil Brandqvist Trio aber in keinem Fall mit einfältig gleichzusetzen.

Im Zentrum steht dieser Schlagzeuger – er moderiert auch die Stücke, steuert Statements mit hintergründigem Humor bei und er verrät seine Inspirationsquellen, die oft in der Natur zu verorten sind – und seine Arbeit auf Becken, Trommeln, mit Sticks und Besen ist in subtilem Sinne all-umfassend! Damit erzeugt er einen Atem, formt Linien, in die sich seine beiden Mitstreiter nur noch einklinken zu brauchen. Trickreich und kunstvoll ist diese Musik allemal. Dafür sorgen allein schon die raffinierten repetitiven Muster, in denen sich Spielfiguren wie in einer filigranen Mechanik verzahnen und neue Ideen freizusetzen. Und es ist keineswegs immer nur besinnlich, ebenso kann dieser „leisteste Schlagzeuger der Welt“ auch mit mächtigen Crescendo vorwärts spielen, wenn der Moment es gerade gebietet.

Einmal mehr war das Publikum gekommen, um sich von einem bis dahin nicht bekannten Namen in neue Klangwelten entführen zu lassen. Dass der Laden bei so etwas bis auf den letzten Platz voll ist, zeugt von viel Vertrauen in den Veranstalter. Ebenso gibt es hier ein gesundes Bewusstsein für die Arbeit und die Kosten, die hinter einem Livekonzert stehen. Soeben wurde ein Förderverein aus der Taufe gehoben, welcher sämtliche Veranstaltungen im Rahmen der Fine Art Jazzreihe unterstützen möchte.