Kaja Draksler und Eve Risse am Piano |

Spielen mit Hein, Muche und Nillesen

Text & Fotos: Uwe Bräutigam

Köln, 29.09.2017 | Kaja Draksler – Piano / Matthhias Muche – Posaune

Das Duo Draksler-Muche eröffnet den Konzertabend im LOFT.

Die in Holland lebende slowenische Pianistin Kaja Draksler ist in der Region keine Unbekannte mehr. Sie war in Moers, beim Soundtrip NRW, auf dem Jazzfestival in Münster und auf verschiedenen Konzerten in NRW. Das Publikum hat sie als innovative Pianistin mit einem großen Gespür für den richtigen Klang erlebt.

Der in Köln lebende Posaunist Matthias Muche ist als ein versierter Improvisator und Soundartist bekannt und ist eine feste Größe der Kölner Szene.

Mit kurzen Stößen der Posaune und einzelnen Tönen am Piano tasten sich die beiden vor und gelangen in ein musikalisches Zwiegespräch. Matthias Muche setzt dabei alle möglichen erweiterten Techniken an der Posaune ein, er arbeitet mit Luftgeräuschen, langen Vibratos und gestopftem Schalltrichter. Kaja Draksler folgt ihm und entwickelt dazu immer neue Klangideen am Klavier. Zwischendurch spielt sie ein längeres Solo mit einem wiederkhrendem Motiv. Muche setzt lässt sein Instrument schnalzen, singen, zwitschern oder erzählen. An einigen Stellen hört sich die Posaune wie ein Gesang an, der vom Piano begleitet wird.

Kaja Draksler greift einmal zu einer Okarina und spielt einzelne Töne, mit der rechten Hand spielt sie dazu einen Ton auf dem Klavier. Zum Abschluss spielt sie schnelle Pianoläufe und Muche entlockt der Posaune dazu klagende Töne.

Nicola Hein – präp. Gitarre / Etienne Nillesen – präp. Snaredrum / Eve Risser – präp. Piano

Die französische Pianistin Eve Risser spielt, im Gegensatz zu Kaja Draksler, an einem präparierten Flügel. Zum Einstieg schlägt sie mit einem Klöppel die Seiten des Flügels an, während Etienne Nillesen mit einem Bogen an seiner Snaredrum entlang streicht und Nicola Hein perkussiv auf seine Gitarre einwirkt. Diese Stimmung, eher etwas gedämpfter, der Begriff Moll passt hier nicht so richtig, ist während dieses Triokonzerts vorherrschend. Alle drei Musiker*innen setzen erweiternde Techniken und Präparationen an ihren Instrumenten ein. Nicola Hein setzt seinen kleinen Rotor an den Gitarrensaiten an oder bearbeitet sie mit einem geriffelten Holzstab. Etienne Nillesen spielt immer wieder Pianissimo, mit leisen Bogengeräuschen oder mit federnden Stäbchen. Hein schlägt mit Fäusten auf den Gitarrenkörper und erzeugt dumpfe Töne, die an das Schlagen einer Turmuhr erinnern. Dagegen feuert Eve Risser am Klavier einzelne Akkorde, wie Schüsse ab. Nach einiger Zeit steigern sich die Klänge und gehen in ein furioses Tutti über. Dann geht es wieder zurück zu den eher gedämpften Tönen.

Kaja Draksler – Piano / Eve Risser – präp. Piano

Als letztes Konzert spielen die beiden Pianistinnen an zwei Flügeln zusammen. Mit einem ostinaten Beginn, mit leicht verschobenen Tönen und langsam schneller werdend sind Kaja Draksler und Eve Risser sofort beisammen, obwohl der Blickkontakt durch den Flügeldeckel sich etwas schwierig gestaltet. Ein Duo mit vielen Nuancen, zarte Passagen mit angeschlagenen Glocken oder leichtem Klöppel auf den Klaviersaiten, aber auch kraftvolles und schnelles Spiel. Die beiden Pianistinnen improvisieren diesmal nicht völlig frei, sondern haben notierte Musik als Ausgangspunkt. Das letzte Stück, das sie spielen ist Walking Battery Woman von Carla Bley.

Zum Abschluss gibt es einen kurzen Moment der Unsicherheit bei den beiden Frauen, ob sie enden sollen. Dann ein befreiendes Lächeln auf beiden Seiten und der Beifall beginnt.

Drei Konzerte mit ganz unterschiedlichen Klängen, fragile feine Tongebilde und wilde Tutti, auseinanderdriftende Musik und zueinander finden, sich auf die Mitmusiker einlassen und eigene Wege gehen. Improvisation – Komposition aus dem Moment mit vielen spannenden und schönen Momenten und das Publikum nimmt am schöpferischen Prozess teil.