Virtuos filigrane Klangwelten |

Auftaktkonzert der Reihe FineArtJazz

Text: Barbara Seppi | Fotos: PublicJazz events

Dorsten, 16.01.2017 | „Da sind wir wieder“ – mit einem breiten Grinsen eröffnet Veranstalter Bernd Zimmermann am Freitagabend das Auftaktkonzert 2017 der Reihe „FineArtJazz“, die damit in das zweite Jahr mit der Kooperation mit dem soziokulturellen Zentrum „Das Leo“ geht.

Für den Auftakt kündigte Zimmermann, der überzeugt davon ist, dass „die NRW-Jazz Szene die Beste und Vielfältigste im deutschsprachigen Raum, ja vielleicht in Europa ist“, drei Musiker, „die im Augenblick noch relativ unbekannt, die aber spätestens in einem Jahr Preise abräumen werden“. Viel Vorschusslorbeeren also für das „Philipp-Brämswig-Trio“ aus Köln, die leider nur knapp 50 Gäste konnten gespannt sein.

Brämsig selbst eröffnet das erste Stück „Drift“ mit hauchzarten Melodiespielerein auf den hohen Saiten seiner halbakustischen Stratocaster. Florian Rynkowski (Bass) und Fabian Arends (Schlagzeug) steigen in das „Treiben“ ein. Gefühlvolle Impulse und akzentuierte Dialoge entstehen. In „Prisma“ setzt der Bass synkopische Kontrapunkte, die sich kunstvoll in die artikulierten Gitarrenthemen fügen, die chromatischen Auf-und Abwärtsbewegungen sind begleitet von hellem Drumsound, der die Klangstruktur in herrliche Einzelteile zerlegt, so, wie sich das Licht auf einer Fläche bricht.

Brämswig komponiert nicht nur erstklassig, er bringt mit seinen Titeln auch die Synthese seiner Werke auf den Punkt. „Molecular Sound“, vom gleichnamigen neuen Album ist so ein Beispiel. Fast sphärisch Bass und Gitarre, letztere verstärkt durch dezent eingesetzte Effekte, tauchen tief ein in Welten eines gegliederten Klangkosmos. All- oder Zellstruktur, das unendliche Große und Kleine treffen sich in einem die absolute Seelenruhe verströmendem Sound. „Wie Pat Metheny und John Scofield“, schwärmen einige Kenner der Szene in der Pause, in Anspielung auf die Virtuosität an der Gitarre.

Kompositorisch ist Brämswig einfach Brämswig. Der 36-jährige Musiker kann mit den Vergleichen zu den Jazzgrößen leben. „Es waren tatsächlich Vorbilder in meiner Jugend“, gibt er nach dem Konzert preis. Nach der Pause wird es leicht „rockiger“, auch durch den Wechsel zur reinen E-Gitarre. Arends bekommt viel Raum für seine Interpretationen am Schlagzeug. „Ich kann die Form gestalten, den Flow. Oder auch aufhören, dann passiert etwas Anderes“, der Drummer geniest die Freiheit, die ihm Brämswig einräumt. Mit „Song für George“ – gemeint ist Georg Harrison – offenbart sich ein weiteres Vorbild aus den Jugendtagen, „Fossil Fuel“ eine Hommage an eine Eiskreme, noch weiter in der Vergangenheit verankert. Themen und Titel Ausgangspunkte für unendlich detailreiche filigrane Tondichtungen. Ein umwerfend meisterlicher Auftakt für das neue Jahr des „FineArtJazz“ in Dorsten.

Dorstener Zeitung 16.01.2017