Rotozaza: Jazz from Hell |

Mahall, Hein, Pultz Melbye, Lillinger

Text & Fotos: Uwe Bräutigam

Köln, 20.06.2016 | Rotozaza, das sind vier Musiker die in Improvisationsmusik und Jazz zu Hause sind.

Rudi Mahall ist seit 90ern einer der meist gefragtesten Bassklarinettenspieler in Deutschland und Europa. Er hat Projekte und CDs mit Aki Takase und Alexander Schlippenbach gemacht, hat mit Kenny Wheeler, Lee Konitz, Ed Schuller und vielen anderen bekannten Musikern zusammengearbeitet. Nicola Hein gehört zur jüngeren Generation der Improvisationsmusiker, Mitglied des IMPAKT Kollektivs in Köln und hat sich national und international bereits einen Namen als Gitarrist, Klangkünstler und Improvisationsmusiker gemacht. Christian Lillinger gehört zur jungen Berliner Szene und ist ein vielgefragter Schlagzeuger, der in vielen Bands u.a. mit Petter Eldh, Wanja Slavin, Peter Evans, Robert Landfermann u.a. spielt. Ebenso aus der Berliner Szene stammt Adam Pultz Melbye, der sich in der freien und improvisierten Musik einen Namen als Bassist gemacht hat.

Die Musik der Gruppe Rotozaza entsteht aus der freien Improvisation auf der Bühne und verbindet Elemente des Free Jazz mit improvisierter Musik. Musik aus dem Augenblick und aus dem Aufeinander bezogen sein.

Rotozaza startet das Konzert in der Kölner Loft mit einem Sprung ins Wasser, alle vier Musiker beginnen furios und wild loszuspielen. Rudi Mahall spielt wilde Läufe auf seiner Bassklarinette, Nicola Hein bearbeitet seine präparierte Gitarre teilweise mit Fäusten und erzielt so einen perkussiven Klang, Adam Pultz Melbye schlägt seinen Bass und Christian Lillinger traktiert seine „Rappelkiste“. Von Null auf Hundert, keine Hinführung, sondern Mitten hinein. Musik die laut, wild und ungezähmt daherkommt. Nach dem Motto, wo es gefährlich ist, da ist es auch lebendig. Da muss zwischendurch auch mal eine neue Saite am Kontrabass aufgezogen werden, ohne dass die Band unterbricht. Ab und an geht Rudi Mahall von der Bassklarinette zur Klarinette über, um hohe Töne beizusteuern, die auch so schrill sein können, dass sie die Ohren schon ordentlich fordern. Nicola Hein unterstützt diesen schrillen Sound mit einem kleinen Motor getriebenen Rotor, der sich wie eine Minischleifmaschine auf den Seiten dreht. Dann gibt es ruhigere Momente mit Klarinetten Soli, die dann in raues Überblasen übergehen und die anderen Musiker steigen ein und treiben die Musik zu einem wilden Crescendo, bei dem Nicola Hein die Gitarre in Trashmetal Geschwindigkeiten treibt, Rudi Mahal unerhört schnelle Phrasen bläst undChristian Lillinger sein Schlagzeug wütend bearbeitet. Aber es gibt auch ruhige Passagen, da setzt Lillinger die Besen ein, die Klarinette ist melodisch und Nicola Hein entlockt der Gitarre singende Töne, mit Slideguitar Sound. Adam Putz Melbye spielt den Bass mit dem Bogen dazu. Allerdings kann er auch anders, dann bearbeitet er sein Instrument mit Rundhölzern. So weit far out die einzelnen Musiker auch gehen, sie bleiben immer aufeinander bezogen, auch die wildesten Läufe werden zusammengeführt. Rudi Mahall oder Nicola Hein, schlagen eine Weg ein und die anderen Musiker folgen, bringen ihre Ideen ein und formen gemeinsam den Sound. Immer wieder tritt ein Musiker zurück, so dass sich Duos aus Gitarre und Klarinette, aus Schlagzeug und Gitarre oder auch Trios bilden können, bis wieder alle vier Musiker zusammen spielen. Rotozaza ist der Name einer bzw. einer Skulpturenreihe von Jean Tinguely aus den 60ern.

Rotozaza ist eine Tinguely Maschine, die Bierflaschen oder Teller zerstört. Bei der Vorführung dieses Kunstobjekts in New York 1966 hat Tinguely auch Jazzmusiker in sein Happening mit einbezogen.

Scherben und Happening gibt es nicht in der Loft, aber dafür großartige Improvisation, jenseits jeglicher Moderation, voller Lebendigkeit, Spannung, Phantasie und mit unerschöpflichen Ideen. Das Publikum muss nach dem Konzert erst einmal Luft holen und sich sortieren. Keine Musik zum Zurücklehnen, Musik die das Publikum fordert, Musik voller Energie und Vielfalt.