Pollon - Herb |

Abwechslungsreich und vielschichtig

Text: Uwe Bräutigam

Düsseldorf, 05.04.2016 | Pollon, ein Trio aus jungen Kölner Musikern, Theresia Philipp (Altsaxophon, Klarinette), Thomas Sauerborn (Schlagzeug) und David Helm (Bass), die sich alle bereits einen Namen in der Jazzszene gemacht haben. So ist es auch nicht verwunderlich, das ihr Debütalbum erstaunlich ausgereift klingt. Alle elf Stücke sind Eigenkompositionen, die abwechslungsreich und frisch daherkommen. Mit unvermittelt stakkatoartigen Saxophonklängen beginnt das Album. Raue kurze Phrasen, von Bass und Schlagzeug begleitet, vermitteln Unruhe und Bewegung. „Pürnnar“, daszweite Stück, eine Komposition von Thomas Sauerborn, ist mit seinem melodischen Saxophonspiel ein echter Gegensatz dazu. Während das dritte Stück, „Freier Fall“ (Philipp), als melancholische Ballade mit sparsamem Saxophon und Bassklängen beginnt und sich dann langsam mit treibendem Schlagzeug steigert. Das vierte Stück „Bonzo“ ist eine Hommage an den Led Zeppelin Schlagzeuger John Bonham und erwartungsgemäß stark rhythmusbetont mit vielRaum für das Schlagzeug. „Zwölf“ dagegen, das folgende Stück, lebt vom Wechselspiel von Saxophon und Bass. Über den gestrichenen Kontrabass setzt das Saxophon loopartig sich wiederholende Töne, nach einiger Zeit wechselt, dann der Bass in diesen „Loop“ und das Saxophon spielt lang gehaltene Töne. Ein sehr gelungenes Bass-Saxophon Duo. Das Stück hat eine etwas unheilvolle Stimmung und würde gut in einem David Lynch Film passen.

In „Doecksaeä“ klingen Hardbob Phrasen der späten 50er an, wie sie auch schon im zweiten Stück zu hören waren.

„Andersrum“ (Stück 8) von Thomas Sauerborn beginnt mit Schlagzeugeinsatz und geht dann in ein kraftvolles Bass-Schlagzeug Duo über. Danach steuert Theresia Philipp eine kurze Up Tempo Nummer mit Bebopphrasen und einem touch Rock`n Roll bei.

Die beiden letzten Stücke hat der Bassist David Helm geschrieben. „Re“ ist eine lyrische Ballade und das letzte Stück, „Walzer in B“, hat schöne Basssoli und ein spannendes Bass-Schlagzeug Duett.

So klingt das Album, das kantig begonnen hat, melodiös aus. Ein Album mit einer großen Vielfalt an musikalischen Ideen, komplex und vielschichtig und trotzdem locker und unverbraucht mit viel Spielfreude eingespielt. Ein Album, in dem sich auch nach mehrfachen Hören immer wieder Neues entdecken lässt. Drei starke Musiker.

Pollon liefert mit dem Album „herb“ eine vielversprechende „Einstiegsdroge“.

Pollon – herb

Theresia Philipp, alto sax & clarinet

David Helm, double bass

Thomas Sauerborn, drums

Klaeng records 015

Dauer: 45:41

http://www.klaengrecords.de/de/cds/pollon-herb.html