Zeitinsel // Residency |

Ausnahme Trompeter Peter Evans

Text & Fotos: Uwe Bräutigam

Köln, 02.12.2016 | Der in New York lebende Trompeter und Komponist Peter Evans war Gastmusiker der Initiative Zeitinsel//Residency. Die Sängerin Mascha Corman und der Posaunist Janning Trumann entwickelten das neue Format Zeitinsel//Residency um die unterschiedlichen Bereiche der Musik eines Künstlers dem Publikum vorzustellen. In dem neuen Format werden deshalb in drei Konzerten verschiedene Facetten eines Künstlers gezeigt.

Der erste Gast dieses Projektes ist Peter Evans, der zu der lebendigen und kreativen Szene der New York Avantgarde gehört. Er ist bekannt für seine Genre überschreitende Spielweise. Evans brachte bereits 2006 eine viel beachtete CD mit einem Soloprogramm heraus. Seit dem arbeitet er kontinuierlich an diesem Soloprojekt weiter und spielt in verschiedenen Bands im Bereich improvisierter Musik, Neuer Musik und Free Jazz. Gelegentlich spielt er aber auch auf einem Barockkonzert. Peter Evans gehört zu den einflussreichsten Gegenwartsmusikern unter den Trompetern. Dies gilt für sein Spiel mit alternativen Techniken, die die Möglichkeiten seines Instruments erheblich erweitern, wie auch für seine Kompositionen.

In drei unterschiedlichen Zusammenhängen stellte Peter Evans vom 27.11. bis 29.11.16 unterschiedliche Aspekte seiner Musik in Köln vor.

Peter Evans ist dem Publikum vor allem durch Konzerte mit atemberaubend wilden, schnellen und treffsicheren Soli in den hohen Registern in Erinnerung.

Auf dem ersten Konzert im Loft zeigte er eine andere Seite seiner Musik und spielte im kammermusikalischen Rahmen mit Sabine Akiko Ahrendt, Violine, Elisabeth Coudoux, Cello und Florian Zwissler, Elektronik (Analog Synthesizer), drei MusikerInnen der Kölner Szene, die alle einen Namen im Bereich aktueller und improvisierter Musik haben.

Obwohl die MusikerInnen am Konzerttag zum ersten Mal mit Peter Evans spielen, gelingt ein echtes Ensemblespiel. Peter Evans spielt leise Töne mit gestopfter Trompete, mit und ohne Mundstück. Er spielt Trompete und Piccolo Trompete ohne Loops oder andere elektronische Veränderungen, das gilt für alle drei Konzerte.

Evans initiiert ein hochkomplexes und filigranes Zusammenspiel. Elisabeth Coudoux mit ihrem Cello und Akiko Ahrendt an der Geige gehen mit ihm in den Dialog. Alle drei spielen Improvisationen und sind dabei immer aufeinander bezogen. Florian Zwissler, der auch für seinen mächtigen Sound bekannt ist, geht diesmal sehr behutsam und zurückhaltend mit seinen alten analogen Synthesizern um.Trotzdem setzt er sehr wichtige Akzente im Ensemblespiel. Immer wieder entstehen sehr intensive Klangmomente.

Zwei Tage später gibt es im selben Raum das Gegenprogramm. Peter Evans spielt in der Band Amok Amor. Bei Amok Amor ist der Name Programm. Hier wird nicht gekleckert, sondern geklotzt, allerdings auf einem sehr hohen musikalischem Niveau. Ein ungemein dichter und treibender Sound. Petter Eldh leistet Schwerarbeit am Bass. Christian Lillinger ist für sein ideenreiches kraftvolles Schlagzeugspiel bekannt und Wanja Slavin tritt immer wieder mit Peter Evans in den Dialog oder steuert spannende Soli bei. Einige Läufe erinnern an schnellen Balkanjazz und man wähnt sich kurzzeitig in Sarajewo. Aber diese Phrasen werden schnell wieder aufgelöst. Peter Evans spielt hier seine großartigen Soli, für die er bekannt ist.

Das Publikum im völlig überfüllten Loft wird von der kraftstrotzenden lauten Musik mitgerissen und bedankt sich mit heftigem Beifall. Ohne das es dafür eine Zugabe gibt. Die Musiker haben sich offensichtlich verausgabt.

Zwischen den beiden Tagen im Loft gibt Evans noch ein Solokonzert im Stadtgarten.

Eingeleitet wird sein Soloprogramm mit einem Gespräch, das Mascha Corman mit ihm führt. In diesem Gespräch zeigt er sich besorgt über die aktuelle politische Entwicklung in den USA. Er sieht seine Musik in einem größeren gesellschaftlichen und politischen Rahmen. Diese Bezüge zur Gesellschaftsentwicklung sind ihm auch als Lehrer wichtig zu vermitteln.

Nach dem kleinen Gespräch spielt Peter Evans etwa 40 min Solo, auf der Trompete und der Piccolo Trompete. Ein wahres Feuerwerk an erweiterten Spieltechniken wird da abgebrannt. Aber es geht nicht um Virtuosität um ihrer selbst willen. Er erzählt mit seinem Instrument Geschichten, malt Bilder und schafft Klangskulpturen. Der Posaunist und Klangkünstler Matthias Muche, der auch im Publikum war, sagte später, dass eigentlich jeder Trompeter, jeder Studierende sich dieses Soloprogramm hätte anhören sollen.

Dreimal Peter Evans, mit zeitgenössischer experimenteller Kammermusik, Solo und mit der innovativen Jazzband Amok Amor, haben einen Einblick in die ungeheure Vielfalt und Bandbreite seiner Musik gegeben. Das Publikum konnte erleben, welch kreativer und virtuoser Meister der Improvisation Peter Evans ist. Das Ziel des Zeitinsel//Residency Projektes ist erreicht worden. Dank an Mascha Corman und Janning Trumann für diese vorbildliche Initiative. Es bleibt zu hoffen, dass dieses Projekt der Auftakt für eine Reihe weiterer Veranstaltungen ist.