Frederik Köster/Sebastian Sternal |

Letzter Gig im Pantheon Casino

Text & Fotos: Uwe Bräutigam

Bonn, 15.04.2016 | Der Auftritt des Duos Frederik Köster/Sebastian Sternal am 11.4. war das letzte Jazzkonzert im Pantheon Casino. Seit Herbst 2013 hatte Bonn wieder einen Jazzclub. Der Bonner Saxophonist und Co-Leiter des Jugend Jazz Orchesters Bonn Thomas Kimmerle organisierte im Pantheon Casino die Reihe „Jazz in concert“. Er schuf damit wieder einen Ort in Bonn an dem regelmäßig Jazzkonzerte in Clubatmosphäre stattfanden.

Frederik Köster und Sebastian Sternal geben mit ihrem „Canada“ Abend nun das Abschiedskonzert im Casino.

Die beiden Kölner Klaeng Musiker spielen Stücke, die die Erfahrungen ihres Kanada-Aufenthaltes 2015 widerspiegeln.

Die Musiker waren 2015 für zehn Tage auf Einladung von Thilo Schaller, Professor für Tontechnik, in Kanada und haben dort eine CD eingespielt.

Die meisten Stücke des Abends stammen von diesem Album (siehe Rezension: www.nrwjazz.net/rezensionen/2015/Frederik_Koester_und_Sebastian_Sternal:__Canada_/ ).

Duo Besetzungen haben immer etwas Intimes. Die Stücke der beiden sind ruhig und fließend.

Frederik Köster spielt auf dem Konzert (und auf der CD) nur Flügelhorn. Hier werden keine neuen Territorien erobert, hier wird das Rad nicht neu erfunden. Hier spielen zwei Musiker sehr eng aufeinander bezogen Stücke, die vor allem durch die Natur Kanadas inspiriert sind.

Einige der Stücke sind auch schon älter und wurden in dieses Konzeptalbum integriert, wie die Sternal Komposition “Mississippi“. Der Ort an dem sie die CD aufnahmen lag an einem Fluss, der “Old Man River“ hieß, eigentlich eine Bezeichnung für den Mississippi, der weit entfernt ist.

Das Stück “For Jan“ stammt von Kenny Wheeler, der aus Kanada stammt und Fredrik Köster in seinem Spiel beeinflusst hat. Ob Kenny Wheeler, der mit knapp 20 Jahren seine Heimat für immer verlassen hat und seitdem in Europa lebt, in London, ein kanadisch geprägter Musiker ist, darf bezweifelt werden. Es wäre so als wollte man den Trompeter Chet Baker als Oklahoma Musiker bezeichnen, nur weil er dort geboren ist.

Eine andere Hommage geht an die kanadische Singer/Songwriter Musikerin Joni Mitchell mit ihrem Song “A Case Of You“, der aus ihrem berühmten Album “Blue“ stammt. Joni Mitchell wird von vielen Jazzmusikern geschätzt, so hat z.B. Herby Hancock intensiv mit ihr zusammengearbeitet.

Zwei Stücke haben die beiden Musiker gespielt, die nicht auf der CD sind: „Lichtspielhaus“ und “Flowergirl“, beides ältere Kompostionen von Sternal. Bei aller Unterschiedlichkeit der Stücke, etwa New Orleans Anklänge bei “Mississippi“ oder eher abstrakte Phrasen bei “For Jan“, durchzieht alle Songs eine bestimmte Stimmung. Balladenhafte Stücke, die warm und hell klingen, oft mit tiefem Flügelhornton zum Ausklang. Die Musik des Konzerts lässt das Publikum an einen kanadischen Sommer und weite Landschaften denken.

Natürlich gibt es beim letzten Gig an diesem Ort Abschiedsgefühle, besonders beim Stammpublikum. Das Pantheon Casino ist nun Geschichte. Hier haben Willy Brandt und andere Bonner Politiker gezockt und getrunken, hier hat der Jazz für ein paar Jahre eine Heimat gefunden.

Aber Thomas Kimmerle schaut nach vorn. Im Herbst soll es in der alten Jutefabrik auf der Siegburgerstraße in Beul-Ost weitergehen. Wir dürfen uns also schon auf ein neues Ambiente und auf ein neues spannendes Konzertprogramm freuen.