Klaeng//Die Serie#6 |

Die Fichten und Speak Low

Text & Fotos: Uwe Bräutigam

Köln, 09.04.2016 | Zwei Trios stehen diesmal auf dem Programm des 6. Klaeng Konzertabends im Stadtgarten. Die Fichten aus Köln, das sind Leonard Huhn am Altsaxophon, Stefan Schönegg am Bass und Dominik Mahnig am Schlagzeug. Alle drei Musiker sind feste Größen der jungen Kölner Jazzszene. Die Fichten waren Preisträger des GRAND PRIX „Tremplin Jazz d'Avignon 2014“.

Tongedichte, nennen die Musiker ihre Stücke, die mit wunderlich dadaistischen Namen versehen sind: „Negative Elefanten“, „Puffläuschen“ oder „Mogelantrieb“. Ein Stück ist nach einem „ukrainischem General“ benannt, was sich gut ausmachen lässt, da kleine Einlagen von Marschmusik in das Stück einfließen. Die Musiker improvisieren zusammen und lassen freies Spiel neben groovigen Passagen stehen. So entsteht ein lebendiger Sound in dem Melodie und Freejazz ihren Platz haben. Sie bewegen sich nicht auf ausgetretenen Pfaden sondern suchen immer wieder nach neuen musikalische Ideen.

Speak Low ist die Band der in Berlin lebenden Züricher Sängerin Lucia Cadotsch. Petter Eldh am Bass und Otis Sandsjö am Tenorsaxophon, beide aus Schweden und ebenfalls in Berlin lebend, sind ihre Musiker. Lucia Cadotsch, die lange im Schneeweiß und Rosenrot Kollektiv gesungen hat, gibt jedem Lied einen ganz ureigenen Ausdruck. Ihre schöne Stimme verbunden mit ihrer minimalistische Art zu Intonieren und ihre persönliche Beziehung zu den Songs, macht die Lieder so authentisch. „Don`t think twice is alright“ wird von einem Dylan Song zu einem Lucia Cadotsch Stück, bei dem trotzdem die Lyrics von Dylan wunderbar zum tragen kommen. Oder „Ain`t got no“ von Nina Simon, ist weder ein einfaches Cover, noch wird der Song dekonstruiert. Er wird von Lucia vereinnahmt und neu belebt. Was für den Gesang gilt, das gilt umso mehr für die Musik. Otis Sandsjö und Petter Eldh erschaffen einen Sound, der vergessen lässt, dass hier nur ein Bass und ein Saxophon auf der Bühne sind. Otis lässt einen kreisenden Klang entstehen, der an Orgel oder Synthesizer erinnert und Petter spielt den Bass dazu, der manchmal einer Gitarre ähnelt.

Ein schier unerschöpfliches Repertoire an phantasievollen Saxophonläufen und Bassfiguren bilden das Rückrat für den Gesang von Lucia Cadotsch.

Zwei spannende Trios, die auch die Klaeng Serie # 6 zu einem großartigen Konzertabend machen.

Beide Bands sind mit Kollektiven, ähnlich dem Klaeng Kollektiv, verbunden. Otis Sandsjön gehört dem Berliner KIM (Komponierte und Improvisierte Musik) Kollektiv an und Leonard Huth und Sebastian Schönegg sind Mitglieder des Kölner IMPAKT Kollektivs. Immer mehr junge MusikerInnen schließen sich in Kollektiven zusammen, wie auch die Frauen des PENG Kollektivs in Essen. Der Trend geht offensichtlich weg von der Vereinzelung, zum Miteinander, zum Team. Das ist nicht neu in der Kunst, besonders in der bildenden Kunst gab es den Blauen Reiter, Fluxus oder die Zero Gruppe. Im Trip Hop gab es das Wild Bunch Kollektiv um Massive Attack und im Hip Hop den Wu Tang Clan. Im Jazz und in der Improvisierten Musik ist der Zusammenschluss von MusikerInnen zu einem Kollektiv eher eine neue Entwicklung, die hilft kreative Energie zu bündeln und günstigere Arbeitsmöglichkeiten zu schaffen. Klaeng in Köln ist dabei ein gutes Beispiel und Vorbild.

Nächste Klaeng Termine:

16.7. Summerklaeng, Open Air, Odonoen, Köln

7.9. Serie # 7: Schmieds Puls Solo, Jozef Dumoulin Trio, Stadtgarten

24.-26.11. Klaeng Festivalim Stadtgarten

21.12 Serie # 8: Fossile 3, Dombert`s Urban Jazz feat. Frederik Köster, Stadtgarten

www.klaengkollektiv.de