CD-Besprechung

​JassLab de Cologne |

eins und eins...

Text: Stefan Pieper

Marl, 25.02.2016 | Barbara Barth ist eine kreative Jazzsängerin und Bandleaderin, die gerne neue Wege geht, um eine eigene künstlerische Stimme zu formulieren. Ihr zweites Album entstand in bestem Kollektivgeist mit dem Kölner „Jazzlab de Cologne“ - und es setzt eines von Barbara Barths derzeitigen Lieblings-Sujets in Szene: Hildegard Knef, die große Chansonniere, Sängerin - bzw. mal im ganz „ un-amerikanischen“ Sinne - Songwriterin hatte auf sie immer schon eine starke Ausstrahlungskraft.

Vor allem geht es Barbara Barth hier anz elementar um die Texte und deren Botschaften. Der kunstvolle musikalische Brückenschlag im Zusammenwirken mit dem Jazzlab de Cologne lag in Neubearbeitungen/Interpretationen, die so ganz aus dem Heute kommen. Will sagen: Barbara Barth und die hellhörigen Modern Jazz-Artisten des Jazzlabs manövrieren leichtfüßig um sämtliche Fallen herum, die in Gestalt von zu viel Retro-Kult oder nostaglischer Partina lauern könnten.

Um so ehrlicher und verblüffend direkt wirkt die Aussagekraft dieser Stücke, die eine eigenwillig Mischung aus Leichtigkeit und Lebensweisheit transportieren. Barbara Barths verspielte Vokalartistik besticht durch ihre Leichtfüßigkeit. Hellwach und mit glasklarer, junger Stimme interpretiert ihr Gesang jede Textphrase und jedes Wort.

Schon der erste Moment dieses Albums macht sämtliche kreativen Tore weit auf: Spielzeughaft schickt sie die ersten Phrasen des Songs durch ein Megaphon, als dann im suitenartiger Verschachtelung jene Sehnsuchtsreise nach Berlin beginnt, wo in dem berühmten, schon von Marlene Dietrich gesungenen Chanson der berühmte Koffer stehen geblieben ist. Markus Koch (Trompete/Flügelhorn), Sebastian Büscher (Tenorsax), Georg Ruby (piano), Moritz Götzen (Bass) sowie Vince Deckstein am Schlagzeug greifen unberechenbar und einfühlsam an den verschiedensten Stellen kommentierend und weiterdenkend ein.

So geht zeitgemäßes Rollenverständnis, was Instrumente und ihre Spieler können und wozu Jazz als betont integrierend aufgefasstes Medium taugt. Das hilft, scheinbar bekanntes bzw. „vergangenes“ neu zu entdecken – neben den Songs von Hildegard Knef auch mal ein „Love for Sale“ von Cole Porter oder Theo Mackebens Operetten-Hit „Frauen sind keine Engel“ - auch hier findet sich eine ironische Betrachtung mit viel unterhaltsamer Einfühlung ins Heute verpflanzt.

Schon fertig aufgenommen ist übrigens eines neues, mittlerweile drittes Album von und mit Barbara Barth - und zwar im Ellington-Trio zusammen mit Caspar van Meel und Gero Körner. Als Gastsolist konnte für einige Stücke der WDR-Bigband-Trompeter Claus Osterloh gewonnen werden.

CD

JassLab de Cologne: eins und eins...

jazzhaus musik 2015

Infos:

www.barbarabarth.de/jasslab-de-cologne/

www.ellingtontrio.com/