IMPAKT Label Kick-off |

State of Art der Improvisation

Text & Fotos: Uwe Bräutigam

Köln, 06.10.2016 | Das Kölner IMPAKT Kollektiv steht für improvisierte und aktuelle Musik. Um der Impro Szene in Köln eine Plattform zu geben, haben die MusikerInnen von IMPAKT ein Internetlabel gegründet. Ausgangspunkt war eine dreiteilige IMPAKT Veranstaltungsreihe im Kölner Loft. Die Abende wurden aufgenommen und sollten auch veröffentlicht werden. Eine CD erschien den IMPAKT Leuten zu hermetisch, beschränkt auf die immer gleichen Musiker, die solch eine Scheibe erwerben. Ein Internetforum sollte einen“barrierefreien“ Zugang zur Musik ermöglichen.

Zum Start des Internetlabels lud das Kollektiv am 5.10.16 in den Kölner Stadtgarten. Mit dem Eintrittsticket erhielt jede/jeder BesucherIn einen Download Code für die Musik, die in der Loft aufgenommen wurde.

Neben den Synthesizern der ersten Band, sind drei Bilder, Zeichnungen und Foto auf der Bühne zu sehen. Das IMPAKT Kollektiv will ein visuelles Erkennungszeichen haben. Deshalb werden alle Produktionen von einem Graphiker gestaltet, von dem auch die Bilder stammen.

Der Abend im Stadtgarten soll einen Überblick über die Bandbreite der improvisierten Musik in Köln geben.

Es spielen vier sehr unterschiedliche Formationen aus IMPAKT Musikern und befreundeten MusikerInnen:

Omelchuk/Zwißler

Eröffnet wird der Konzertabend mit elektronischer Musik des Duos Oxana Omelchuk und Florian Zwißler. Auf der Bühne stehen analoge Synthesizer und Orgeln. Zwißler und Omelchuk stehen sich gegenüber und bedienen Regler und greifen in Tasten. Die ersten Klänge erinnern an eine tiefe Glocke, dann überlagert ein sphärischer Sound diese Klänge. Dazwischen knattert es oder klackende Geräusche entstehen. Zwißler, der in Stockhausens letzten Jahren den Bühnenaufbau gemacht hat, arbeitet gern mit „rohen, unakademisch daherkommenden Klängen“. Die aus Weißrussland stammende Oxana Omelchuk sucht in ihrer Musik immer, das überraschende und ungewöhnliche. So improvisieren sie zusammen und erschaffen einen wuchtigen Sound, der das Publikum zu immer neuen Assoziationen anregt.

Enso –Stefan Schönegg (cb, com), Leonard Huhn (sax, cl),Nathan Bontrager (clo), Etienne Nillesen (päp. Sn-dr)

Wenn Omelchuk/Zwißler den psychedelischen Part des Abends spielen, dann hat des Quartett um den Bassisten Stefan Schönegg des lyrischen Teil übernommen. Die Musik, von Schönegg komponiert, als Suite dargeboten, hat trotz aller bewußten Brüche, viele lyrische Elemente.

Sei es ein Dialog von Bontragers Cello mit der Bassklarinette von Leonard Huhn, seien es Stellen, an denen Schönegg den Bass streicht, Etienne Nillesen einen Bogen an der Snaredrum einsetzt und Nathan Bonträger sein Cello spielt, eine Streichertrio der anderen Art, gefühlvoll begleitet von Huth am Saxophon. Natürlich werden auch Geräusche eingesetzt und die Klangmöglichkeiten der Instrumente erweitert, so kratzt Nilleson mit Metallscheiben über den Boden, produziert Huth Klackgeräusche auf dem Saxophon oder streicht Bonträger den Bogen über die Fußstütze des Cello.

Eve Risser&Joris Rühl

Nach der Pause spielen Eve Risser am präparierten Flügel und Joris Rühl an der Klarinette. Sie spielen filigran und pianissimo. Manchmal ist die Lüftungsanlage deutlich lauter als die feinen Klänge. Eve Risser erschafft Klänge, die nicht unbedingt an ein Piano erinnern. Das geht einher mit dem Klarinettenspiel von Joris Rühl, der auch schon einmal einen kleinen Ball in seine Klarinette steckt. Zusammen schaffen die beiden ein sehr feines Netz von Klängen, das den ZuhörerInnen große Konzentration abfordert, aber dafür ein sehr feines und intimes Klangerlebnis möglich macht.

Henkel/ Hein/ Müller

Den Abschluss bildet ein Trio in ungewöhnlicher Besetzung: Brad Henkel (trp), Nicola Hein (g) und Matthias Müller(trb). Der Gegensatz zu Eve Risser&Joris Rühl, könnte nicht größer sein. Direkt zu Beginn gehen die drei Musiker in die Vollen. Die drei decken an diesem Abend, den Free Jazz Part, oder auch den Punk Part ab. Unbändige Energie, die sich immer wieder Bahn bricht. Die drei Musiker spielen auch sehr ruhige und feine Parts, aber das ist nicht der dominierende Teil ihrer Musik. Kreative Bläser, mit und ohne Mudstück und Nicola Hein, der mit Stahlwolle, Schrauben, einem kleinen Rotor und anderen Gegenständen unerhörte Klänge aus seiner Gitarre hervorholt.

Henkel, Hein und Müller schaffen es als letzte Band am Abend zur vorgerückten Stunde, das Publikum wach und aufmerksam zu halten.

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