CD Besprechung

CORSO Unwanted Pregnancy |

Emilio Gordoa und Nicola Hein

Text: Uwe Bräutigam

Ystad, 18.08.2016 | “Corso – Unwanted Pregnancy“ improvisierte Musik von Emilio Gordoa und Nicola Hein, auf präpariertem Vibraphon, Percussion und präparierter Gitarre. Musik aus dem Augenblick in Echtzeit aufgenommen.

Emilio Gordoa, mexikanischer Vibraphonist, Komponist und Klangkünstler, lebt in Berlin und ist Teil der jungen Improvisationsszene, die im Grenzbereich von Jazz, freier Improvisation und zeitgenössischer Musik agiert. Dort ist auch Nicola L. Hein, in Köln lebender Gitarrist, Komponist und Klangkünstler, musikalisch zu Hause.

Die beiden Musiker erweitern mit vielfältigen Präparationen die Klangmöglichkeiten ihrer Instrumente und erzeugen eine enorme Bandbreite an Klängen. Die Musik zeugt davon, wie die beiden Künstler aufeinander bezogen musizieren. In acht Stücken der CD “Corso“ entfalten Gordoa und Hein einen erstaunlichen Klangkosmos.

Mit kurzen schnellen Phrasen wird das erste Stück eröffnet und dann entfalten sich längere Harmonien, die entfernt an den frühen Frank Zappa auf seinem Album “Uncle Meat“ erinnern.

Das zweite Stück beginnt Pianissimo, schwebende Klänge, elegische Töne, wie von einer Violine, gehen in lange stehende Töne über, die leicht moduliert werden und an orientalische Fötenmusik denken lässt. Die Gitarre spielt ein Ostinato über das das Vibraphon helle Töne perlen lässt.

Das dritte Stück hat eine dunkle, etwas unheimliche Stimmung und einen leichten Einschlag von Industrial. Es entsteht ein Rhythmus der einem fahrenden Zug ähnelt, der schneller wird und in ein wildes Crescendo übergeht.

All diese unterschiedlichen Klänge gehen organisch ineinander über, keine harten Brüche, keine abrupten Wechsel. So wirken die Stücke, trotz des abwechslungsreichen Sounds, wie einheitliche Klangskulpturen. Das vierte Stück fällt etwas heraus, mit seinen Klopfgeräuschen und der streicherartigen Gitarre. Ihm fehlt etwas von der Homogenität der ersten drei Stücke. Im fünften Stück finden sich sehr intensive, perkussive Passagen, die die Energie des Free Jazz haben.

Die letzten drei Stücke (VI bis VIII) bilden, bei aller Unterschiedlichkeit, wieder eine Einheit. Mit leichten hellen Vibraphontönen im sechsten Stück beginnend, über einen kraftvollen perkussiven Sound im siebten Stück, bis hin zu leisen zarten Tönen im letzten Stück, mit Anklängen an schwebende Streicher und Gitarrenmusik, die in der Ferne verhallt.

Emilio Gordoa und Nicola Hein gelingt es mit einer ungeheuren Vielfalt an musikalischen Ideen ein hörenswertes Album zu kreieren, dessen Stücke ein Ganzes bilden. Der Begriff Konzeptalbum ist sicher fehl am Platz, bei einer Musik, die in der Situation entstanden ist, ohne vorherige Absprache und Planung, trotzdem trifft er in gewisser Weise auf die CD “Corso – Unwanted Pregnancy“ zu. Die Stücke passen zu einander, eine musikalische Idee entwickelt sich aus der anderen und fügt sich in die Gesamtcollage ein. Improvisationsmusik, die bei jedem Hören andere Facetten entdecken lässt.

CORSO Unwanted Pregnancy, Emilio Gordoa und Nicola Hein

Creative Sources Recordings CS 341

www.emiliogordoa.com

www.nicolahein.com