Hommage an ein Genie |

Monk, Schlippenbach und das Schmiede-Syndikat

Text: Stefan Pieper | Fotos: Stefan Pieper

Recklinghausen, 19.03.2016 | Der scheppernde Anschlag seines Klavierstils, die schroffen Intervallsprünge in seinen Themen und viel skurille Poesie – für all dies gibt es keine erklärbare Formel. Wenn ein Musiker geradezu symbolträchtig für musikalischen Individualismus im Jazz steht, dann ist dies Thelonious Monk.

In der Luft liegt kreative Unruhe und Aufrührergeist, dabei haben die meisten der circa 70 Stücke des Monkschen Gesamtwerks so viel ohrwurmhafte Eindringlichkeit, dass sie in zahllosen Interpretationen, Adaptionen und Hommagen vermutlich ewig leben werden. In der Alstadtschmiede war einer der wichtigsten heutigen Monk-“Interpreten“ zu Gast, nämlich der Berliner Pianist Alexander von Schlippenbach. Und dessen Spiel auf dem – passenderweise - zierlichen Altstadtschmieden-Piano bereicherte eine muntere „Allstar“-Besetzung aus Recklinghäuser Musikern.

Damit ist auch schon die Rollenverteilung dieses Abends beschrieben: Schlippenbachs erstaunliches Klavierspiel, mit dem er die Monksche Seele aus den Tönen herauszumodellieren weiß, stand selten im Zentrum – und war über weite Strecken leider sogar zu leise abgemischt! Derweil die Recklinghäuser Jazzmusiker unter Leitung von Ingo Marmulla die Universalität der Monk-Stücke in allen Richtungen ausloteten. Egal ob Epistrophy, Blue Monk oder Misterioso - all dies sind Ideenkonzentrate, um auch in großer Besetzung ein Fass aufzumachen.

Manchmal tritt Marmulla vor das Ensemble und dirigiert, auf dass die Spieler maximale Dynamik auftürmen. Hervorragend wechseln sich in der Altstadtschmiede die Solisten ab. Vor allem Bernd Westhoff Trompete verbreitet viel satte Strahlkraft. Überhaupt: Der reibungsvolle Gesamtkang der hier versammelten Bläsersection markiert wirklich „Sound“ im echten Sinne, nämlich viel Rauheit, welche den hochglanzpolierten Klangwelten vieler etablierter Jazzbigbands zuweilen fehlt. Dennoch: Alexander von Schlippenbach, dessen noble Bescheidenheit ja durchaus charmant wirkt und obwohl er auch diverse Soloparts spielte - diese Komponente hätte an diesem Abend mehr ins Zentrum gehört.