Wie Ausrufezeichen in den Raum gestellt |

Mengamo Trio im Jazzkeller Hürth

Text: Günter Reiners | Fotos: Jazzclub Hürth

Hürth, 06.09.2016 | Engel mit Pferdefuß und Teufel mit Heiligenschein: Bei keinem Instrument liegen Himmel und Hölle, Tugend und Laster so eng beieinander wie bei der Hammond-Orgel. Als Laurent Hammond 1934 das Patent zu seiner Orgel anmeldete, stellte er sie als kostengünstige Alternative zu teuren Kirchenorgeln vor. Mitte des 20. Jahrhunderts drängte das elektrische Instrument aber schon mit einer Menge Sex-Appeal im Generator und einer Ausdruckspalette, die von seliger Idylle bis hin zum spitzen Schrei reicht, aus dem Gottesdienst in den Jazz und entdeckte seine sündige Seite.

Genau diese Bandbreite präsentierte das Mengamo Trio am Wochenende im Hürther Jazzkeller. Dabei stand Sebastian Scobel mit seiner vielseitigen Hammond sk2 während des Konzerts durchaus nicht im Vordergrund. Philipp Brämswig an der Gitarre und Thomas Sauerborn am Schlagzeug waren absolut gleichberechtigte Partner, die mehrere Kompositionen des Abends lieferten. Zu den Marksteinen des Konzerts zählte die Nummer «The One», die auf das Konto Thomas Sauberborns geht und der Titeltrack der Debüt-CD des Trios ist. Mit einem ausgedehnten Schlagzeug-Intro begann dieses Stück begleitet von Sphärenklängen der Hammond-Orgel, die im Zusammenklang mit der Gitarre immer perkussiveren Wert erhielten. Die komplizierte, gebrochene Rhythmik, die gewagten Pausen, die freien, wie Ausrufezeichen in den Raum gestellten Tonfolgen zeigten den hohen Grad an Eingespieltheit des Ensembles und das Können Sauerborns.

Fast sakral begann «Strange Meeting» von Bill Frisell, das in der Fassung des Trios auf eine Reise zu traumhaften Landschaften, sommerlichen Erinnerungen und sinnlichen Stunden mitnahm. Überhaupt, so ließ Sebastian Scobel das Publikum wissen, bezeichneten Kritiker den Mengamo-Sound bisweilen als idealen Reise-Soundtrack. Vor allem spart die Kritik aber nicht mit Lob für den facettenreichen, orchestralen Klang des Ensembles, das in Nummer wie «Jack the Riffer» des ausgesprochen virtuosen Gitarristen Philipp Brämswig zu geradewegs hörspielartiger Bandbreite fand. Nach gruseliger Einleitung nahm das Stück urplötzlich Fahrt auf, um geradewegs nervenzerreißende Spannung zu erzeugen und das Publikum erst mit der letzten Note wieder loszulassen. Auf den Spuren von Künstlern wie Larry Goldings, Dr. Lonnie Smith und John Scofield entfalteten die Musiker einen pulsierenden Mix aus elektronischen Klanglandschaften, Progressive-Rock-Anleihen und zupackendem Free-Fusion-Spiel, das aufgrund seiner Dynamik zwischenzeitlich Zweifel daran aufkommen ließ, ob wirklich nur drei Musiker im Jazzclub zu hören waren. Harald Haenßgen, Vorstandsmitglied des Jazzclubs Hürth, zeigte sichbegeistert. „Der Sound der drei Jungs ist absolut cool und souverän. Die Bandbreite und Vielseitigkeit ihres Spiels haben mich sehr beeindruckt. Von rockigen Einflüssen bis hin zu blues-geprägten Stücken war einfach alles dabei“, freute Haenßgen sich im Anschluss an den Abend und erinnerte an das nächste Großereignis.

„Am 1. Oktober lädt der Jazzclub wieder zur Jazznacht ins Bürgerhaus ein. Stars der Szene und hochbegabte Newcomer geben sich auch diesmal wieder die Klinke in die Hand und spielen von 19 bis 2 Uhr morgens gleich auf mehreren Bühnen. Das sollte man sich keinesfalls entgehen lassen!“