Kinderlieder auch für Große |

Pre-Release mit EAST DRIVE

Text & Fotos: Vera Marzinski

Köln, 22.03.2016 | In den Schlaf singen wollten EAST DRIVE und Tamara Lukasheva die Gäste im Kölner LOFT nicht, auch wenn sie ukrainische Wiegenlieder oder polnische und russische Kinderlieder beim Pre-Release-Konzert präsentierten. Die sind nämlich demnächst auf der neuen CD – mittlerweile das vierte Album der Band – zu hören. Das besondere Highlight bei diesem Konzert: die osteuropäischen Kinderlieder präsentierten EAST DRIVE und Lukasheva gemeinsam mit einem Streichquartett sowie dem Saxophonisten Alexey „Losch“ Malakhau.

Ganz und gar nicht einschläfernd die Musik, aber teilweise sehr anrührend. Dazu trägt besonders Tamara Lukasheva bei, die sehr gefühlvoll ein „Spi Moya Radost“ singt – mit einer fast gehauchten deutschen Passage „Schlafe mein Prinzchen schlaf ein“ – aber auch ganz andere Facetten zeigt, wenn sie in den Skatgesang, wie bei „Miala Baba Koguta“ übergeht. Bei diesem polnischen Kinderlied, das von einer Magd handelt, die ihren Hahn in einen Stiefel steckt und sich über ihn lustig fügt Vitalij Zolotov dem Stück ein grandioses Gitarrensolo hinzu. Hervorragend auch die Rhythmusgruppe Bodek Janke und Phillip Bardenberg. Dazu bei diesem Live-Konzert Zuzana Leharova und Axel Lindner (Viola), Cellistin Elisabeth Fügemann und an der Bratsche Radek Stawartz, der beim russischen Kinderlied „Jagodka Malinka“ zum Teufels-Bratschisten wird.

Aus der Ukraine hatte Tamara Lukasheva das „Sonnenlied“ mitgebracht – doch EAST DRIVE hat es so arrangiert, dass sie hier nicht singt. Aber dafür entlockt sie der Tampura dazu traditionelle Töne. Das bauchige Zupfinstrument mit dem langen Hals wird als Volksinstrument in Mazedonien und im südlichen Teil Bulgariens gespielt. Doch rein traditionell blieb auch das „Sonnenlied“ nicht. Zolotov und Jantke gaben ihm eine wilde, rockig-jazzige Note, bevor die Tampura wieder die Grundmelodie aufnahm. Von Bodek Janke stammte das „Julitchka“ - mit einem von Alexej „Losch“ Malakhau gefühlvoll vorgetragenen Saxophonpart, den Gitarre und Streicher noch unterstrichen. Aus der Sowjetzeit stammt die Zeichentrickfigur „Funtik“, dem die Musiker ein gute Laune Lied widmeten.

Osteuropäische Wurzeln, internationale Musikausbildung, als Solisten und Sidemen im In- und Ausland gefragt - die drei Musiker von EAST Drive sind in ihrer Wahlheimat "Weltmusik" zu Hause und jonglieren virtuos mit verschiedenen Bällen: Moderner Jazz, Polka, nordindische klassische Musik, wehmütige russische Melodien, lateinamerikanische Intermezzi, aber auch Funk, verzerrte E-Gitarre und vor allem: Groove. Und den haben EAST DRIVE auch bei den Stücken zu ihrer vierten CD. Die Idee entstand nach einem Auftritt im Rahmen der „Babykonzerte“. Hier lädt die die Philharmonie Köln unterschiedliche Bands dazu ein, schon kleinste Kinder mit Musik in Berührung zu bringen. Musik aus der Kindheit hatten die drei dabei präsentiert und anschließend die Stücke neu arrangiert für Groß und Klein. Zudem kam kurzfristig im Studio noch die Idee mit den Streichern dazu, die den Klang der einzelnen Stücke ausdehnen. Tamara Lukasheva tourt des Öfteren mit EAST DRIVE und hat schon auf zwei CD ihren Gesang beigetragen.