CD-Besprechung

Christian Hammer |

Hammer plus drei

Text: Stefan Pieper

Gelsenkirchen, 27.12.2016 | Der Gelsenkirchener Gitarrist Christian Hammer favorisiert das offene Konzept: In seiner Reihe „Hammer plus 3“ lädt er Mitspieler zu gemeinsamen Konzerten in die Galerie-Werkstatt von Gelsenkirchen-Buer ein – mit den Gästen zusammen spielen verbreitet ja wohl noch viel mehr Freude, als das eigene Instrument im Kasten zu lassen, wenn man die Veranstalter-Rolle schlüpft.

Das Konzept „Hammer plus 3“ ging auf jeden Fall bestens auf. Die regelmäßigen Konzerte mit völlig unterschiedlichen Mitspielern belegen eine bestens gemixte musikalische Vielfalt und beim Gastgeber eine fantastische stilistische Wendigkeit in jede, gerade geforderte Richtung!

Dies belegt eine neue CD, welche unterschiedliche Begegnungen verewigt hat. Es beginnt sehr bodenständig mit einem Blues, wo der Hammondorgelspieler Martin Scholz und Schlagzeuger Wolfgang Eckolt der Gitarre von Christian Hammer zur Seite stehen. Erstmal auf diese Weise genug Wärme erzeugt, weist eine uptempo-Nummer den Weg nach vorn.

Denn nun wird im Sauseschritt dieser Planet erkundet. Sphärische Sounds der Gitarre und ein stoisches Dreiton-Motiv aus dem Kontrabass von Alex Morsey werden zum Treibmittel für eine Sopransax-Beschwörung von Dimitry Markintantov, derweil Fatih Ak die Rahmentrommel und anderes traktiert. Willkommen in der Welt von Klezmer und Balkanfolk und der Orient in all seinem Facettenreichtum ist auch nicht fern! Einer der selbstbewusstesten „Instrumenten-Emanzipierer“ ist der Recklinghäuser Blockflötist Tobias Reisige. Er tritt mit den kleinen und manchmal auch viel größeren Blasinstrumenten selbstbewusst vor elektrifzierten Bands auf Rockbühnen auf . Zusammen mit Hammer zeigt er, dass es auch anders, kammermusikalischer geht: Ein feinnerviges akustisches Trio aus Gitarre, Cello und Flöte offenbart Folk und oft auch viel mehr als das. Da lebt die erhabene Zartheit, die vieler alter englischer Musik inne wohnt.

Ganz weit nach Osten geht es danach. Zu Nils Imhorsts stoischer Kontrabassfigur spielt Kioomars Musayyebi den persischen Santur, eine Art Hackbrett, wo die Saiten mit kleinen Hämmerchen geschlagen werden. Erstaunlich, wie stilsicher sich Christian Hammers elektrische Gitarre in dieses feinziselierte orientalisches Linienspiel einklinkt! Ähnlich souverän und selbstverständlich funktioniert auch die instrumentale Tuchfühlung mit der Oud von Ahmet Bektas, die aus einer anderen Livebegegnung in der Gelsenkirchener Werkstatt hervor ging.

Die letzte auf dieser CD präsentierte Konstellation kann schon als Vorbereitung für den nächsten Live-Termin in der Werkstatt taugen, denn am Sonntag, 17. Januar musiziert Christian Hammer einmal mehr mit dem Bassklarinettisten Eckhard Koltermann. Die vorliegende CD dokumentiert eine frühere Begegnung mit diesem improvisierenden Holzbläser aus Köln und legt auch Christian Hammers ausgesprochen weiten Horizont in freieren Spieldisziplinen offen: Nachdenkliche Phrasen werden in den Raum geworfen und beantwortet. Aus Einzelstatements gehen Prozesse der Annährung hervor. Weiterhin in viel assoziativer Freiheit vereinen sich Bassklarinette und Gitarre, ziehen stärker am gemeinsamen Strang, derweil Achim Krämer den Klangraum mit weiteren Impulsen und Gesten auflädt.

Nächster Termin

Sonntag, 17.1.2016, 19.30 Uhr:

Hammer+3

mit Eckard Koltermann (Bassklarinette), Kioomars Musayyebi (Santur) und Achim Zepezauer (Tischlein Elektrisch)

Galerie „werkstatt“/Gelsenkirchen-Buer