CD-Besprechung

Alba |

Erstes gemeinsames Album von Stockhausen und Weber

Text: Heinrich Brinkmöller-Becker

Bochum, 17.04.2016 | Die CD Alba beginnt mit ihrem Opener What can I do for you? mit absoluter Stille, aus der sich ganz allmählich aus dem Pianissimo heraus kaum merklich Saitengeräusche, dann ein paar Linien auf der gestopften Trompete entwickeln, im Diskant setzt die Klavierstimme ein, es vernetzt sich langsam ein ruhiges Herantasten von zwei Stimmen zu einem zurückhaltenden Dialog. Die Eröffnung charakterisiert das gesamte Album, das erste des Duos von Markus Stockhausen am Flügelhorn und an der Trompete und des Pianisten Florian Weber.

Das Material speist sich aus stark melodisch orientierten Stücken wie der Auftragskomposition aus Stockhausens Feder Mondtraum, bei dem die eingängige Melodie im Unisono oder in klarer Bläserstimme mit zurückhaltender Pianobegleitung vorgetragen wird, oder in Synergy Melody, einem ergreifenden Song, bei dem durchaus auch in dunkleren Tönen moduliert wird. Sonst beherrscht das Album eine klare, hohe Tonebene wie in dem Track Befreiung, einem keck-frischen Stück, oder in dem atmosphärisch dichten Emilio mit hellen, geradezu hymnischen Bögen – für Webers Sohn geschrieben.

Drei sehr kurze Klavier-Stücke (Barycenter, Possibility I und das finale Today) fallen als Soli und wegen ihrer Kürze aus dem Rahmen. Die CD enthält ansonsten Stücke mit seelenvollen Schwingungen wie in Die weise Zauberin oder bei der polyrhythmischen Melodie von Emergenzen mit ihrem filigran-verspielten Charakter, bei der Weber „winzige Fluktuationen“ an einem Sandstrand assoziiert, bei denen die Strömungen von Wind und Wasser Veränderungen von Strukturen herbeiführen – ein passendes Bild zur Charakterisierung der gesamten kontemplativen Atmosphäre von Alba.

Anders als in den früheren Trio-Alben (Continuum, Aparis oder Despite the Firefighters’ Efforts) mit Stockhausens Experimenten mit elektronischen Klängen setzt das aktuelle Duo auf die rein akustische Karte und damit den Modulationsreichtum, den ihre Instrumente bieten. Auf Resonances bläst Stockhausen seine Trompete in den Flügel und nutzt dessen Resonanzkörper, beide Musiker verlassen sich ansonsten auf die Klangcharakteristika ihrer Instrumente. Gerade im Duo erreichen sie damit höchste Konzentration auf ein magisch-poetisches Zusammenspiel – frei von jeglichem effekthascherischen Gestus. Ein meditativer Grundtenor durchzieht Alba. Stockhausens Trompeten- und Flügelhorn-Stimme hat eine Strahlkraft, die stellenweise einen geradezu astralen Schwebezustand erreichen lässt. Dem entspricht das Klavierspiel Webers gerade in den höheren Lagen mit seinen impressionistischen Klangfarbtupfern voll und ganz. Dem Spiel der beiden Musiker ist deutlich ihre Klassikausbildung anzuhören. Die Frage, was improvisiert, was komponiert ist, ist unerheblich. Lediglich Ishta ist gänzlich ohne irgendwelche Absprache entstanden und zeigt, wie sich aus wenigen Tönen, aus melodischen Partikeln allmählich ein zarter Dialog entspinnt.

Mit Alba ist Markus Stockhausen und Florian Weber ein veritables weiteres Beispiel aus der Alchemisten-Küche des Wohlklangs von Manfred Eicher gelungen.

Markus Stockhausen Florian Weber: Alba. ECM 2477 CD 6025 47593580

Geplante Auftritte des Duos in NRW:

28.04.2016 Mönchengladbach

15./16.07.2016 Düsseldorf