Zu neuen Ufern |

Aus „sub.vision“ wird „about aphrodite“

Text: Stefan Pieper

Dortmund, 19.05.2014 | In dieser Nacht wird nicht geschlafen, denn da ist einfach zu viel aufregende Magie. Wie ein Herzschlag pulsiert der Beat irgendwo jenseits der BPM 120-Marke. Synthesizerflächen weiten den Raum. Eine Klaviertextur fügt sich wie ein Rädchen in einem präzisen Uhrwerk ein – und es erobert ein sphärisch singender, langgezogener, fragil singender Ton den Raum! Es ist das Theremin, welches Gilda Razani für sich entdeckt hat, um völlig berührungslos mit ihren Händen die Klänge in den Raum hinein zu "malen". Sowohl diesem neuen Stück "Nacht" , aber auch in vielen anderen neuen Kompositionen des Duos "about aphrodite". Bilden Gilda Razani, die außer dem Theremin auch noch Saxofone spielt und der Pianist / Elektronikmusiker Hans Wanning nicht die Band sub.vision? "Sub.vision war gestern, die Zukunft gehört about aphrodite!" – stellt Gilda Razani im Gespräch unmissverständlich klar.

Für die beiden Dortmunder haben sich durch die stärkere Hinwendung zu elektronischen Clubsounds neue kreative Betätigungsfelder aufgetan. Gilda Razani: "Bislang war about aphrodite ja nur ein Projekt innerhalb eines größeren Ganzen. Aber dies hat sich so stark verselbständigt, so dass wir künftig nur noch unter dem diesem Namen auftreten wollen".

Bei "Subvision" hatten sich Razani und Wanning noch eher auf ein Bandkonzept berufen – jetzt haben "about aphrodite" das Verhältnis von Mensch und Maschine neu belebt. Die konsequentere Hinwendung zu elektronischer Tanzmusik scheint auf jeden Fall als Ressource für künftige musikalische Ideen zu taugen. Schon jetzt haben die beiden bemerkenswert vielfältige Stücke kreiert – hypnotisch nach vorne gehende Tracks, aber auch stark in sich ruhende Stimmungsbilder! Da werden die ganzen, sich in den 90ern so vital verästelnden Subgenres von Technomusik, vor allem Trance, souverän in den Dienst der eigenen Sache gestellt. Und es ist gut, dass mal wieder jemand mit so viel Konsequenz auf die emotional-rauschhaften Wirkungen solcher Klänge baut. Und was neues eigenes draus macht!

Razani und Wanning verleiben dieser Ästhetik viel Organisches ein und das kommt bei den beiden aus so vielen Kontexten von Jazz bis hin zur Neuen Musik, aus der Klassik oder auch der Filmmusik. Oft steht der Flügel im Zentrum, aber meist eher als Lieferant von minimalistischen Texturen, die auf den Basslines aufbauen.

Die lyrische Komponente bietet innerhalb der weiten Klangräume immer wieder emotionale Zuflucht. Mitunter kommen lyrische Texte von Gilda Razani ins Spiel, die immer wieder mal als subtile spoken-words-Splitter aufblitzen. Und es atmen Gildas Saxofonphrasen und dann kommt immer wieder das Theremin ins Spiel - jenes älteste elektronische Instrument das es gibt! Zwei Antennen nehmen die elektromagnetischen Schwingungen der Umgebung auf. Also vor allem die von Gilda Razanis Händen. Und deren Bewegungen genieren Töne, die sie in ihrer Höhe, Lautstarke und Modulation formen und variieren kann. Inspiriert wurde Gilda Razani durch ein Konzert der mittlerweile verstorbenen Theremin-Virtuosin Barbara Buchholz.

Und es war erst mal ordentlich Arbeit, sich in diese Kunst hineinzubegeben. Da es nicht einmal, wie bei einem Streichinstrument, Saiten gibt, braucht es eine extrem sensible Gehörbildung, um eine sichere Intonation hinzubekommen. Mehr noch: Das Theremin reagiert auf sämtliche Schwingungen im Raum und vor allem auf deren ständige Veränderung. Die Spielerin muss all dies ständig ausgleichen. Und damit nicht zu viele Störfrequenzen aufkommen, braucht es einen gewissen physischen Abstand zu den Mitmusikern oder zum Publikum.

Fleißig wird unterdessen an neuen Stücken weitergearbeitet, die hoffentlich bald ein Album hervor bringen. So sphärisch und dicht die Klangräume der neuen Stücke sind, so prägnant stehen auch immer wieder starke Melodien im Zentrum.

Das Konzert im Gelsenkirchener stadt bau.raum am 5. Juni markiert symbolisch den Aufbruch des Dortmunder Duos zu diesen neuen Ufern: Angekündigt noch unter dem "alten" Namen, erlebt das Publikum die neuen Stücke, wie sie für das gewandelte Konzept von "about aphrodite" stehen. Man ist also im stadt bau raum hautnah dabei, wenn sich hier Musiker neu erfinden! Bei diesem Liveauftritt soll auf jeden Fall für mitreißende physische Bühnenpräsenz gesorgt sein: Die Besetzung wird noch um die Sänger/Perkussionisten Djamel Laroussi und Fethi Ak erweitert. Hypnotische visuelle Elemente kommen natürlich auch zum Einsatz….

Link zum Beitrag in der "Aktuellen Stunde" des WDR-Fernsehens...