Tolle Partner |

Interview mit Peter Baumgärtner

Text: Sven Breidenbach | Fotos: Peter Baumgärtner

Hilden, 11.05.2012 | Vom 5.6.-10.6.2012 finden die 17. Hildener Jazztage statt. ruhrjazz.net sprach im Vorfeld mit dem Organisator dieses Festivals, Peter Baumgärtner, über die Anfänge, die Unterstützer und das diesjährige Programm.

rj: Was war Dein erstes Auto?
PB: Volkswagen, ein Volkswagen Käfer.

rj: Die Hildener Jazztage. Ich halte das Programm in den Händen und frage mich, was gehört alles dazu, damit am Ende alles steht, bis alles organisiert ist. Was machst Du da alles?

PB: Ich sehe das gar nicht so kompliziert. In den ersten Jahren baust Du Dir ein Netzwerk auf und es ist wichtig, dass Du für bestimmte Dinge eine Routine kriegst. Dass Du in manchen Situationen ein dickes Fell kriegst, das brauchst Du auch. Ansonsten arbeite ich kontinuierlich daran. Wenn das Festival vorbei ist kommt die Sommerpause, ich spiel ja auch, und im September geht es dann so langsam wieder los und ich fange an nachzudenken.
Ich habe tolle Partner für das Festival. Die Stadt, die Stiftung der Stadt, die Sparkasse das Stadtmarketing, 3 M und Weitere sind wunderbare Sponsoren und das ist richtig lang und partnerschaftlich aufgebaut. Sehr angenehm und in diesem Jahr gab es sogar teilweise einen Inflationsausgleich. Wer hat das schon? Ich habe durch das vertrauensvolle Verhältnis klarmachen können, dass auch in der Kultur Kosten steigen und Sponsorenbeträge nicht immer festgeschrieben sein können, sondern auch mal inflationsbereinigt angeglichen werden sollten.

rj: Du kommst als enthusiastischer Mensch und Jazzprofi daher und dann brauchst Du doch auch einen Gegenpart bei deinen Partnern und Sponsoren, der sich für die Sache begeistern lässt…

PB: … Du meinst mit den Sponsoren? Ja, das brauchst Du. Was ich am Anfang hatte war ein Türöffner. Ein Freund aus einer damaligen Jazz Band (ITS JAZZ BAND) –das war vor 17 Jahren- war Edelcoiffeur (Anm. d. R. Coiffeur = altes Wort für Friseur) in Hilden, Rolf Koenzen.
Rolf hat dann Freunden damals beim frisieren erzählt, „Hör mal, der Peter Baumgärtner hat da eine Idee, magst Du da nicht unterstützen?“ Auch Ralf Kraemer damals Chef vom BMW Autohaus, hat sich damals schon für jazzige Ideen begeistern lassen und war sozusagen Mentor für uns. Ich habe damals mit Uwe Muth die Firma (sensitive colours) gegründet und mit einem Jazztrio hatten wir eine CD gemacht. Mit der bin ich dann aufs Kulturamt und wollte dort die CD-Präsentation absprechen. Wo man das machen kann und das dort dann auch ein Steinwayflügel steht. Und dann ist das im Gespräch der Festivalgedanken entstanden. Der damalige Kämmerer der Stadt ist inzwischen der Bürgermeister Ratingens meinte „ dann machen wir eine private-public-partnership und den Jungs trau ich das zu.“ Und so ist das erste Hildener Jazzfestival gestartet. Ich hatte damals keine Ahnung und fragte dann Wolfgang Riehn (er brachte die Jazz-Rallye nach Düsseldorf). Und dann habe ich das dann ein bisserl gelernt. Damals, noch ohne Handy, ohne Computer ich hatte nur eine Schreibmaschine und Tippex. Darauf habe ich dann die Programmhefte zusammengeschrieben. So habe ich mir das alles erkämpft und auch erlaufen.

rj: Waren die ersten Hildener Jazztage auch schon über 5 Tage, oder wie hat das angefangen?
PB: Am Anfang waren es 3 Tage. Bühnen gab es auch schon, die ersten Open-Air Bühnen waren dann auf LKW unter der Plane. Da spielten dann die Bands. Im ersten Jahr war aber auch schon ein Star da - Jeff Hamilton spielte mit seinem Trio in der Stadthalle. d Die erste Jazznacht hieß damals „a drummers night“. Damals war das schlimmste -und davon habe ich auch wochenlang geträumt- ich muß raus auf die Bühne und eine Ansage machen. Wirklich kein Witz. Einmal habe ich mich sogar vor lauter Nervosität in meiner Rede für die tolle Zusammenarbeit mit dem Kulturamt Düsseldorf und der Stadt Hilden bedankt. Im Verlauf der Jahre hat das abgenommen aber. Ich habe aber immer noch eine Anspannung vor jedem Festival, aber das ist eine antreibende Nervosität die mich auch motiviert. Mit der Zeit wächst dann alles so zusammen und es entsteht etwas Tolles. Du musst natürlich auch Pressekontakte pflegen und inzwischen arbeite ich mit Jörg Schwarz zusammen, das ist ein Profi, und das geht auch nicht mehr anders. Wir arbeiten gut zusammen, das geht Hand in Hand.
Ich schreibe immer noch die Grundtexte für die Homepage oder das Programm und er schaut noch mal drüber. Aber auch während des Festivals schickt er noch laufend Presseinfos raus. Und über die Jahre baust Du Dir das auf.
Was ich immer noch selber mache, ich bringe die Plakate zu den Sponsoren und Partnern, spreche mit den Leuten und so habe dadurch einen sehr guten Kontakt. Und die sehen dann „Ah, da ist der Baumgärtner- die Jazztage gehen los.“ und so schaffe ich Vertrauen.

rj: Und wie genau gewinnst Du das Vertrauen?
PB: Nun ja, ich habe mal Industriekaufmann gelernt. Dann bin ich ja auch Musiker und wenn ich sage „ein Künstler ist gut“ nimmt man mir das auch ab und da ich kaufmännisch rechnen kann wissen die Partner „der verbrät kein Geld“. Ich behandele auch die Musiker gut. Es wird keiner übermäßig bezahlt und wir beuten auch Niemanden aus. Es gibt ja Festivals, da wollen Kollegen auftreten, der Veranstalter sagt er hat kein Geld mehr und dann treten Musiker trotzdem auf, nur um in Ihre Biografie zu schreiben , dass sie dort aufgetreten sind.

rj: Wie siehst Du das manchmal habe ich den Eindruck, dem Jazz fehlt das junge Publikum...

PB: Es kommt drauf an. Es schwankt. Zum Beispiel hier in der Jazzschmiede wird es gleich voll werden. Da sind junge Menschen, es ist Jam-Session. Es gibt auch Veranstaltungen da ist das Publikum überaltert. Aber das hast Du überall. Das hast Du im Theater, in der Oper oder auch im Konzert. Das Problem ist eine Sozialisationsfrage. Und auch früher sind die Leute einfach in einen „Jazzschuppen“ gegangen, weil da einfach was los war. Glaub nicht, dass die da hin sind, weil Sie auf einen intellektuellen hyperabgefahrenen Freejazz standen.

rj: Glaubst Du, daß Jazz eine intellektuelle Musik ist oder mehr fordert als zum Beispiel Klassik?

PB: Ich würde sagen das ist ebenbürtig. Also fangen wir mal anders an. Als ich jung war gab es in Villingen-Schwenningen, da gibt es das Theater am Ring, da gibt es das legendäre MPS Tonstudio, das steht inzwischen unter Denkmalschutz, also wenn Du jetzt Jazzfan wirst oder bist, dann gibt es eine legendäre DVD „Jazz in the black forrest“, also die musst Du Dir sofort holen. Es ist also ein ganz legendäres Plattenlabel. Und da war ich mit 15 auf einem Konzert von Oscar Peterson und der hat wirklich nur „Standards“ gespielt. Also „Take the A-Train“ - Solopiano. Ich habe wirklich nichts verstanden. Ich fand es total langweilig. Heute lache ich darüber, weil ich damals die Struktur nicht verstanden habe. Weil „Standard“ heißt das es so und so viel Takte sind, dass es eine Form hat A A B A, 32 Takte, das es bestimmte Harmoniestrukturen gibt, dann ist da eine Melodie, der Meldoiefaden zieht sich durch das Stück durch und durch die Improvisation durch, und es wird erst dann richtig interessant, je weiter einer davon weg geht. Und ich bin so ein Typ der unheimlich auf Keith Jarrett Trio und so´n Zeug steht.
Also natürlich ist es intellektuell. Du musst Formen verstehen, du musst Rhythmen verstehen, und je weiter die Musiker weg gehen und Du immer noch da bist, umso interessanter wird der Jazz. Also für mich ist das wie Kandinsky oder Piccasso. So sehe und werte ich das auch.

RJ: Also eine sehr klare Struktur, die dadurch interessant wird, wenn man sich auf eine gewisse Basis einigt und ….

PB: … dann verfremdest Du, und bist immer noch da. So habe ich das erlebt und auch gelernt. Das ist so meine Intention und Herangehensweise.