Unermüdlich und unentbehrlich |

Ali Haurand wird 70

Text: Stefan Pieper | Fotos: Archiv

Viersen, 15.11.2013 |

Die Jazzwelt gratuliert heute dem Kontrabassisten, Bandleader und Festivalmacher Ali Haurand zum 70. Geburtstag. Über viele Jahrzehnte ist der Viersener zu einer festen Größe in der Musikwelt geworden – und sein sensibles Bassspiel war schon an der Seite so vieler Weggefährten zu hören, egal ob Philly Joe Nones, Tony Oxley, Daniel Humar, Joachim Kühn oder Gerd Dudek. Vor allem letzter ist ein langjähriger, ewiger Partner für den Viersener Bassisten – und beide sind auch schon bald wieder live zu erleben – nämlich am 6. Dezember im Kölner Freiraum. Traurig stimmt Ali Haurand, dass einige seiner Freunde und Weggefährten, etwa Charlie Mariano diese Welt schon verlassen haben – vor allem überschattet der plötzliche Tod von Paul Kuhn, mit dem gerade noch Auftritte geplant waren, die Freude über den runden Geburtstag.

Umso mehr muss an dieser Stelle auf die glanzvollen Verdienste, die prägende Kraft und vor allem auf die künstlerische Verantwortung für das große Ganze im Leben und Wirken des Ali Haurand zurück geblickt werden. Haurand hatte an der Essener Folkwanghochschule und später an der Kölner Hochschule für Musik und Tanz studiert. Seit den 70ern ist sein Spiel auf unzähligen Plattenaufnahmen verewigt. Und er hat die Jazzkultur im Lande verankert - allen voran durch die Gründung und kontinuierliche Pflege eines internationalen Jazzfestivals direkt in seiner Heimatstadt. Die Viersener Jazztage sind zu einer unerschütterlichen Größe auch in internationaler Wahrnehmung geworden. Hier hat Ali Haurand schon viele große Protagonisten an den Niederrhein geholt: Namen wie Chick Corea, Ron Cartner, Joe Zawinul oder Ravi Coltrane, aber auch die vielen Koryphäen aus dem europäischen Jazz wie Nils Landgren, Thomas Stanko, Louis Sclavis gehören selbstverständlich dazu. Zudem bemüht sich das Viersener Jazzfestival für die Sensibilisierung des Nachwuchses für die Kunst der Improvisation – denn ein ganzer Tag für Kinder auf einem Jazzfestival, sucht wohl auch international seinesgleichen. Die Düsseldorfer Jazzrallye ist ein anderes Projekt, das unter Haurands Händen gewachsen ist. Was einen deutschen Musiker erst richtig adelt, das ist in der Musikszene nicht selten die Wahrnehmung durchs Ausland. Und diesbezüglich erfuhr der Viersener höhere Weihen, als ihn der französische Kulturminister im Jahr 2006 zum Chevalier des Arts et des lettres kürte. Denn durch sein Wirken, nicht zuletzt seine hervorragende Kontaktpflege zu französischen Musikern, vor allem im bereits 1976 gegründeten European Jazz Ensemble, hat er sich doch auch um Europa als eine kulturelle Idee sehr verdient gemacht. Gerade hier ist unter Ali Haurand ein „kreatives Sammelbecken, eine Drehscheibe und ein vitales Kommunikations-Zentrum für europäische Jazzmusiker“ entstanden und wird weiter gepflegt.


Wir dürfen gespannt sein, wie und wo sich Ali Haurand auch in der Zukunft weiter unentbehrlich macht!