„e.s.t. on steroids with the attitude of Motorhead“

Als „e.s.t. on steroids with the attitude of Motorhead“ hat das britische Musikmagazin Record Collector das neue Werk vom Neil Cowley Trio beschrieben. Der Pianist muss schmunzeln, aber mag diese Beschreibung seiner bislang dritten Platte. Auf jeden Fall ist seine Musik nicht mehr in erster Linie der Hochgeschwindigkeitsjazz der früheren Tage. Die Musik ist lyrischer geworden. Vielleicht liegt das auch an der leicht veränderten Lebenslage. Denn der Pianist, der schon als Zehnjähriger ein Klavierkonzert in der Queen Elizabeth Hall in London gegeben hat und der später als Keyboarder bei den Brand New Heavies oder Zero 7 beschäftigt war,  zieht gerade vom hektischen  London raus aufs Land, 25 Meilen entfernt von der britischen Hauptstadt. „Ich habe genug vom Stadtleben. Ich habe zwei Kinder und ich möchte, dass sie frische Luft atmen und grüne Felder zum Spielen haben.“

  Was die Musik betrifft, spürt er die Veränderungen auch. „Sie trägt noch immer dieses Feuerwerk, diese Funken und diese Dynamik in sich, aber ich finde, „Radio Silence“ ist eine wesentlich rundere Platte geworden als die früheren. Wir hören uns gegenseitig mehr zu, sind mehr eine Einheit.“ Neil Cowley mochte es schon immer, gute Hooks und Melodien zu schreiben. Das hat er nun wieder getan, sehr zu seiner eigenen Zufriedenheit: „Ich bin mit der neuen Platte glücklicher als mit der letzten.“

  Kann er auch. „Radio Silence“ ist eine sehr reife Platte dreier Musiker, deren Spiel wunderbar ineinander verzahnt. Ob das nun in dem herrlich zurückgenommenen und berührenden Titelstück, im quirlig-stolpernden „A French Lesson“, im forsch treibenden „Gerald“ oder in der epischen Schlussnummer „Portal“ passiert.

  Die viele Zeit zum Komponieren und Aufnehmen hat sich für Neil Cowley und das Trio ausgezahlt. „Wir haben das Material viel geprobt und viel live gespielt, bevor wir ins Studio gegangen sind. Und deshalb denke ich auch, dass es eine sehr vollendete Platte ist. Ein ideales Ende meiner bisherigen Drei-Platten-Kollektion.“

  Humor ist übrigens ein wichtiger Bestandteil in der Musik des Neil Cowley Trios. „Außerhalb der Bühne lachen wir immer, wir sind richtige Clowns“, betont Neil. Und so ist der Humor eine weitere Nuance in der reichen musikalischen Farb-Palette des Trios. Der Song „Hug the Greyhound“ ist ein Paradebeispiel für den Witz der drei Musiker.    

  Mit dem neuseeländischen Drummer Evan Jenkins und seinem britischen Landsmann, dem Bassisten Richard Sadler, mit dem er sich mehrere Jahre sogar ein Haus teilte, hat Neil Cowley seine beiden musikalischen Seelenverwandten gefunden. Und hier greift dann auch der Vergleich zu e.s.t., denn auch das schwedische Erfolgstrio hat seinen Sound über Jahre gemeinsam weiterentwickelt. Das möchte Neil Cowley mit seinem Trio auch. Aber erst einmal gilt es nun, die Musik von „Radio Silence“ zu spielen. Eine Musik, die mit ihrer eigenen Klangästhetik das Genre Trio-Jazz ganz sicher bereichert.  Text: cg  

       

Termin:

06.06.: Köln, Stadtgarten


CD-Tipp:

Neil Cowley Trio „Radio Silence“ (Naim Jazz/rough trade)