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Neues aus der CD-Welt

Christoph Gieses Schnelldurchlauf vol 53

Gelsenkirchen, 26.04.2024
TEXT: Christoph Giese | 

„Stéphane Galland The Rhythm Hunters“ (Challenge)

„Rhythmusjäger“ nennt der belgische Drummer Stéphane Galland seine Band. Und ja, Rhythmen haben es seinem internationalen Sextett angetan. Solche aus Afrika, Indien oder dem Balkan, immer hübsch eingebettet in einen aufregenden Jazzkontext. Mit drei Bläsern, Klavier und E-Bass hat Galland mächtig Dampf an seiner Seite und erschafft gemeinsam mit seinen Mitstreitern Stücke, die harmonisch ebenfalls einiges zu bieten haben und auch melodisch gefallen.

GHOST-NOTE: „Mustard n´ Onions“ (Mack Avenue)

Jazziger Funk, wie er besser kaum geht – das liefert das Musikerkollektiv Ghost-Note rund um die beiden Snarky Puppy-Schlagwerker Robert Sput Searight und Nate Werth zuverlässig ab. Auch auf ihrem neuen Album. Mit von der Partie sind hier etwa noch Bassmann MonoNeon und illustre Gäste wie E-Bass-König Marcus Miller, Keyboarder Bernard Wright, Karl Denson an der Flöte oder der kürzlich viel zu früh verstorbene Saxofonist Casey Benjamin. Messerscharfe Bläser, ein permanenter Groove und eine gelegentliche String Section sorgen hier durchgängig für viel Spielfreude.

MEGA MASS: „Murmurs and Wails“ (JazzHausMusik)

Hinter dem Bandnamen Mega Mass stecken der Schweizer Gitarrist Théo Duboule, der französische Schlagzeuger Quentin Cholet und der deutsche Saxofonist Fabian Willmann. Alle drei noch jungen Musiker leben in Berlin-Neukölln und spielen auf ihrem Debütalbum „Murmurs and Wails“ eigene, bis auf eine Ausnahme selbst geschriebene Musik, die sich um Genregrenzen nicht kümmert, mit gängiger Ästhetik arbeitet, diese aber immer wieder spannend aufbricht um sich ohne Scheu frei zwischen komponierten Strukturen und freien Improvisationen zu bewegen. Absolut hörenswert!

 CONEXÃO BERLIN: „Vagabundo“ (Eden River Records)

Gegründet hat dieses Ensemble Andreas Weiser, der viel in Brasilien unterwegs war. Mit Conexão Berlin hat der Berliner Perkussionist  seiner Liebe für die brasilianische und südamerikanische Musik, aber auch für den Jazz eine Plattform  geschaffen, die viel Spaß macht. Denn mit dem Pianisten Tino Derado oder dem schwedischen Trompeter Christian Magnusson hat Weiser Leute an seiner Seite, die genau zwischen diesen musikalischen Welten zu agieren verstehen. Alles klingt hier wie selbstverständlich. Und wie das um den Gast-Saxofonisten Max Hacker erweiterte Quintett seine emotional geprägte Musik zwischen Südamerika und Jazz spielt ist einfach wunderbar.

GINMANBLACHMANDAHL: „What´s To Come“ (Storyville)

Welche Sensibiltät, wieviel Gefühl und welche Wahnsinnsstimmung kreiert dieses Trio nur in „Autumn Rhythm“! Dieses Stück ist eine von 15 Eigenkompositionen von Bassist Lennart Ginman, Schlagzeuger Thomas Blachman und Pianist Carsten Dahl auf ihrem neuen Album. Und die drei renommierten Dänen zeigen in dieser Nummer, dass mit wenig gespielten Noten perfektes Herbstfeeling nachgezeichnet werden kann. Und zwar so, dass man sich auf so einen Herbst freut. Als Trio GinmanBlachmanDahl zelebrieren die Dänen auf „What´s To Come“ ihr auch klanglich zauberhaftes Triospiel, huldigen ihren Jazzhelden, um aber immer mit persönlicher Note zu musizieren. Mal in sich gekehrt und minimalistisch, mal freudig swingend.

KATHRINE WINDFELD SEXTET: „Aldebaran“ (Stunt)

„Aldebaran“ ist bereits ihr füntes Album als Bandleaderin, aber das erste in dieser Sextett-Besetzung. Neben zwei Saxofonisten und Trompeter Tomasz Dabrowski hat die dänische Pianistin, Komponistin und Arrangeurin Kathrine Windfeld hier noch ein Rhythmusduo mit Bass und Schlagzeug am Start. Und spielt auf dem nach dem hellsten Stern im Sternbild Taurus benannten Album eine Musik, der man schon anhört, dass Windfeld viel mit Bigbands gearbeitet hat. Aber die kleinere Sextett-Besetzung bietet ihr hier persönlich als Pianistin mehr Raum sich als feine Klangmalerin und Improviatorin zu zeigen.  

YUSEF LATEEF: „Atlantis Lullaby – The Concert From Avignon“ (Elemental Music)   

MAL WALDRON & STEVE LACY: „The Mighty Warriors – Live In Antwerp“ (Elemental Music)

SONNY ROLLINS: „Freedom Weaver: The 1959 European Tour Recordings“ (Resonance Records)

Zum Schluss noch ein paar Legenden mit bislang unveröffentlichten Aufnahmen. Klangvolle Namen des Jazz, die mit Ausnahme des 93-Jährigen Sonny Rollins, der krankheitsbedingt im Ruhestand ist, allesamt schon im Jazzhimmel weilen, hier aber noch einmal zeigen welch prägende  und ganz eigen klingende Musiker sie doch waren. Wie der Flötist und Saxofonist Yusef Lateef, hier 1972 im Quartett mit Pianist Kenny Barron, der gerade erst als „Künstler des Jahres International“ mit dem deutschen Jazzpreis ausgezeichnet wurde, im französischen Avignon zu hören. Auch das sparsame, eindringliche, repetivite und perkussive Klavierspiel von Mal Waldron, hier im Quartett mit Saxofonist Steve Lacy 1995 in Antwerpen, noch einmal erleben zu können – wunderbar. Und der Saxofonkoloss Sonny Rollins mit den ältesten Aufnahmen, aufgenommen auf seiner Europatournee 1959, zeigt hier auf gleich 3CDs, welch kraftvoller, melodischer und einfallsreicher Musiker und Improvisator er doch war.       

 

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